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Hawaii für ganze 3 Monate – meine 3. Reise

Inhalt

3 Tage Reise… Die Nachteile eines Standby-Tickets

2010 bin ich beruflich am Anschlag. Stress, Mobbing und Unzufriedenheit führen dazu, dass ich selbst kündige ohne einen neuen Job zu haben. Wer macht denn sowas? Unverständnis bei Kollegen, Freunden und der Familie. Allerdings nur eine Woche. Danach wandelt sich das Unverständnis komischerweise zu Respekt, Neid und Bewunderung. Ich habe trotzdem die Hosen voll. Ich habe entschieden, ein drittes Mal nach Hawaii zu fliegen. So lange, wie es mir Spaß macht. Längstens aber 3 Monate. Wie wird das werden? Ich, ganz alleine, am anderen Ende der Welt. Das macht mir erstmal Bauchweh. Die ersten 3 Wochen nehme ich eine Freundin mit um mir den „Einstieg“ zu erleichtern. Im Nachhinein gesehen totaler Quatsch. Entwickelt sich meine Zeit alleine im Laufe der kommenden Wochen zur viel wertvolleren Reise. Mit magischen Erlebnissen und völliger Freiheit.

Übermüdet bei strömendem Regen von Ulm mit dem Zug nach Frankfurt. Urlaubsgefühle stellen sich nicht ein. Zu ungewiss die Sache mit dem Standby-Ticket, ein Ticket, mit dem man nur fliegen kann, wenn auch Platz ist. Und das weiß man quasi erst, wenn man im Flieger sitzt. Eigentlich so gar nicht mein Ding, dieses risikobehaftete Planlose. Meine damalige Bekannte und Mitreisende bekommt den einzig verfügbaren Platz nach NYC und ich bleibe in Frankfurt zurück. Meine Stimmung sinkt. Wie lange werde ich hier sitzen? Wieder Frankfurt? Oder wie Martin am Telefon sagt, lieber über Amsterdam? Die Reise scheint mir wie ein großer Berg, den ich bezwingen muss. Sahnehäubchen: Mein Gepäck ist offensichtlich im Flieger, der Koffer meiner Begleitung hingegen bei mir. Ob ich morgen einen Damen-Tanga anziehe? Also in Frankfurt übernachten. Morgen dann das gleiche Spiel noch einmal. Früh am Morgen neu einchecken und auf meinen Namen warten. Das Pärchen, das sich gestern nicht trennen konnte, ist auch wieder da. Sie werden sich wieder nicht trennen. Das ist meine Chance. Die Flüge nach Atlanta sind allerdings völlig überbucht, was dazu führt, dass alle auf NYC umbuchen. Ich rutsche von meinem sagenhaften 3. Warteplatz auf den 35. Ich laufe also langsam zur Gepäckhalle, um den Koffer, der mir nicht gehört, zum 2. Mal abzuholen. Draußen kommen mir bei 3 Zigaretten hintereinander fast die Tränen. Mir ist nach meinem Zuhause.

Ich rufe Martin an und er hat tolle Neuigkeiten: Ich kann von Zürich nach Atlanta, aber alles andere als sicher. Oder aber morgen das gleiche Spiel von Frankfurt. Düsseldorf wäre auch eine Möglichkeit. Alles unsicher mit sicheren Plätzen. Ich entscheide mich innerhalb von 2 Minuten (so schnell?) für die Mühsamste aller Möglichkeiten: Ich fahre mit dem Zug von Frankfurt nach Amsterdam, von da aus am nächsten Morgen nach Minneapolis, dann weiter nach Portland und von dort nach Honolulu. Aber auch das ist alles andere als sicher. Die Vorstellung, durch ganz Amerika zu fliegen, überfordert mich gnadenlos. Meine geplante Auszeit von 3 Monaten scheint mir dermaßen realitätsfremd, dass ich auf dem Bahnsteig hysterisch lachen muss.

Die nächsten 3 Kreuze mache ich, wenn ich in Amsterdam ein Hotel am Flughafen gefunden habe. Kurz darauf überlege ich, in aller Ruhe meinen Frauenkoffer zu durchwühlen und zu schauen, was mir so steht. Spätestens morgen fang ich eh an zu muffeln…

Ich werde am nächsten Morgen um 6 von Nana Mouskouri´s „Guten Morgen Sonnenschein“ aus meinem Handy geweckt. Draußen regnet es in Strömen. Martin hat mir gestern noch eine neue Flugroute durchgegeben. Direkt nach Portland und 6 Stunden später nach Honolulu. Ich bin gut drauf, aber aufgeregt und gönne mir das 15 €-Frühstück im Ibis-Hotel. Der große Saftautomat ist leer. Kein Apfel-, kein Mixed-Fruit-, kein Orange-Juice (wenigstens oranje sollten die Holländer doch haben). Mein viel zu hart gekochtes Ei muss ich mit einem Suppenlöffel genießen. Kleine Löffel sind weit und breit nicht zu finden. Komisches Volk, die Holländer. Ich freu mich auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Allerdings sind die Chancen dort auch anzukommen eher begrenzt, wie mir scheint.

Ich erreiche also Gate E 16, wo eine nette Holländerin meine Sorgenfalten sieht und auf meine Frage, wie es denn so aussieht mit „It´s good“ antwortet. Ich könnte sie knutschen. Als eine Stunde später mein Name immer noch nicht gefallen ist, sinkt meine Stimmung wieder. Einige Minuten später die Durchsage „Sorry, booked out“. Ich merke, wie sich große Aggression breit macht und trete das erste Mal gegen eine Reihe Gepäck-Trolleys. Die Leute schauen schon. Also in die Gepäckhalle, um wieder die 22 kg, die mir nicht gehören, abzuholen. Kann aber 2 bis 3 Stunden dauern, sagt man mir. Ein letztes Mal versuche ich mein Glück 2 Stunden später nach Seattle. „Mr. Stevens? Mr. Jenkins? Mr. Brown?“

Keine Antwort. Ich sitze wie ein Häufchen Elend am Gate, dann ertönt die Stimme erneut und mein Name fällt. Habe ich eben tatsächlich “Krauss” gehört? Ich weiß nicht recht, ob ich mich freuen soll.

Der ungewisse Flug-Marathon geht jetzt also in den USA weiter. Wo das weibliche Gepäck inzwischen ist, weiß ich nicht. Kommt vermutlich nicht mit mir in Seattle an. Ist aber nicht so schlimm, weil ich mich sowieso dagegen entschieden habe, Frauenkleider zu tragen. Nicht mal Business-Class hab ich abgekriegt, sondern den unbequemsten Platz in der Mitte, umgeben von schreienden Kindern. Gleich fang ich selbst an. Das Kleinkind auf dem Flug nach Seattle raubt mir meine letzten Nerven. Nach 11 unglaublich langen Stunden sitze ich nun in der Stadt des Grunge, jener musikalischen Jugendbewegung, die mit Nirvana´s Kurt Cobain begann und mit seinem tragischen Tod auch wieder endete. Den “teen spirit” kann ich allerdings nicht riechen, ist wohl doch schon zu lange her. Dafür finde ich in der Nähe des Flughafens eine Tankstelle, wo ich mir ein großes Budweiser aus der Dose kaufe und es, jawoll, auf offener Straße, aber bei strahlendem Sonnenschein trinke. Meine noch übrig gebliebenen Nervenbündel führen also zu völliger Resignation, dass ich sogar eine Festnahme wegen öffentlichen Trinkens riskiere. Beschwippst laufe ich zum Gate und muss feststellen, dass mein Flug 2 Stunden Verspätung hat. Also wieder zurück zur Tankstelle…

Beim nächsten Versuch am Gate eine erneute Verspätung um 4 Stunden, was dazu führt, dass ich völlig erledigt, anstatt um 21.00 Uhr erst um 3.30 Uhr in Honolulu lande. Ich fühle mich, als hätte ich 3 Tage Reise hinter mir.

Mein Freund Martin freut sich offensichtlich so sehr auf Besuch aus der Heimat, dass er trotzdem aufsteht, um mich abzuholen. Schnell noch ein Bier mit ihm in seinem Zuhause am erloschenen Vulkankrater Diamond Head und ab ins Bett. 2 Stunden später wache ich auf und bin trotz Jetlag bester Laune. Die morgendlichen Sonnenstrahlen, das Zwitschern der Vögel, die kräftigen Farben der früchtebehangenen Pflanzen und der Aloha-Spirit haben mich wieder gepackt. Schwer zu sagen, was dieser Aloha-Spirit eigentlich ist. Ich weiß es bis heute nicht. Vermutlich ist es die offene und warme Art, die einem die Inselbewohner entgegenbringen. Das Gefühl, dass die Inseln genau auf mich gewartet haben und sich freuen, dass ich Ihnen einen Besuch abstatte. In der hawaiianischen Sprache heißt Aloha nicht nur “Hallo”, “Wiedersehen” und “Liebe”. Die tiefere Bedeutung des Wortes ist das freudige Teilen von Lebensenergie. Ich bin jedes Mal aufs Neue schwer beeindruckt vom hawaiianischen Prinzip des “Sharing”, denn nicht nur Lebensenergie und Freude werden geteilt, sondern auch alles andere.

OAHU

Hollywood zu Besuch auf Hawaii

Kurz nach meiner Ankunft fahre ich mit Martin und seiner Frau Dana nach Kaneohe Bay, wo er als Production Assistant für die Filmindustrie arbeitet. Unfassbar. Ich bin am Set von “Fluch der Karibik”. Lecker Cheeseburger aus dem Backstage-Bereich von Hollywood mit Blick auf die Bucht, in der Jack Sparrow´s “Black Pearl” vor Anker liegt. Für diese Produktion wurde eine begehbare Attrappe über 4000 Kilometer von LA aus über den Pazifik geschippert, nur um hier bei Nacht ein paar Außenszenen zu drehen. Junge Mädels warten mit ihren Eltern die ganze Nacht auf Johnny Depp. Als er dann nach den Rehearsals endlich die “Black Pearl” verlässt, vernehme ich hysterisches Kreischen. Mehr als einen silbernen Chrysler mit verdunkelten Scheiben bekommen die Fans nicht zu sehen. Aber ich. Johnny Depp fährt mit seinem Chauffeur direkt an mir vorbei, lässt das Fenster runter und ruft „Hey Man, how you doin`?“

Ich fotografiere ihn schnell und kurze Zeit später habe ich einen neidischen Depp-Fan neben mir, der ihn verpasst hat. „Can I do a shot from your shot“ fragt er mich und fotografiert unter großem Gelächter das Display meiner Kamera.

Johnny Depp Hawaii Fluch der Karibik

Einige Tage später will mich Martin mit zum Arbeiten nehmen. Letzter Drehtag „Pirates“. Er erklärt mir meinen Job. Ich solle mit Walkie-Talkie und InEar-Ohrstöpsel an der Straße zum Studio stehen; sobald „Rolling“ ertönt, müssen die großen LKW´s angehalten werden, damit Ruhe beim Dreh herrscht. Bei „Cut“ dürfen sie dann weiterfahren. 13-16 Stunden in der Sonne stehen. Ich weiß nicht recht. Einerseits könnte ich mit Stolz behaupten, einen Tag für einen Hollywood-Blockbuster gearbeitet zu haben, andererseits bin ich dann auch nicht böse, als Martin´s Chefin erzählt, dass sie heute niemanden brauchen. Auch beim neuen Film “Big Eyes” mit Christoph Waltz und Amy Adams sind wir 2013 dabei, als die Schlussszenen am Iolani-Palace in Honolulu gedreht werden. Nachdem wir ein und dieselbe 20-Sekunden-Szene 8x gesehen haben, wird selbst Hollywood ein wenig mühsam.

Hiking auf Oahu

Wandern auf Hawaii ist anders als im Allgäu, in Österreich oder in der Schweiz. Es ist oft kürzer, dafür aber anstrengender und spektakulärer. “It´s a hike” klingt härter als “Wanderweg”. Ist es auch. Auf Hawaii wandert man durch schwülen Regenwald, durch rutschigen Vulkansand oder über schwarze Lavafelder. Die Pfade sind oft eng und steil, das subtropische Klima lässt einen recht schnell ins Schwitzen kommen. Belohnt wird man dafür mit fantastischen Ausblicken, romantischen Wasserfällen oder glühenden Lavaspalten.

Mit Martin habe ich den großen Vorteil, an Stellen auf Oahu zu gelangen, an die sich ortsunkundige Touristen niemals verirren würden. So laufen wir den versteckten Maunawili Falls Trail. Durch dichten grünen Dschungel geht es zu einem romantischen Wasserfall, unter dem wir ein Bad nehmen und in den Pool springen. Die mutigen Locals klettern die Felswände hoch und springen aus einer Höhe von 12 Metern, ich begnüge mich mit 2. Martin´s Hund Sophie folgt uns auf die rutschigen Klippen und bleibt mit ihren Pfoten in einer Felsspalte hängen. Ich habe selten einen Hund so heulen hören. Nach dem ersten Schock geht´s ihr aber wieder gut.

Maunawili Falls Trail

Weil der „Stairway to heaven“ auf die Koolau Mountain Range über fast 4000 Treppenstufen nicht klappt, wagen wir als Alternative den Trail zum Kaau-Crater. Nach einigen Minuten wird mir klar, dass das kein Spaziergang wird. Durch üppigen Dschungel bergauf, überqueren wir einige Male ein romantisches Flüsschen. Martin erzählt mir beiläufig, dass wir uns auf dem anspruchsvollsten und anstrengendsten Hike auf Oahu befinden. Konditionell trennen uns Lichtjahre. Mir wird Angst und Bange.

Die Natur ist allerdings dermaßen bombastisch, dass ich nicht dran denke umzukehren. Ganz zu schweigen davon, dass ich vor Martin nicht als Mädchen dastehen will. Wir müssen direkt am Wasserfall hoch und so ziehen wir uns an Seilen die Klippen entlang nach oben. Dabei gibt es immer wieder anstrengende Stellen, an denen man besser nicht nach unten schaut. Mir bleibt oft nichts anderes übrig, als mich auf die Kräfte der Natur zu verlassen. Mühsam ziehe ich mich an einem Ast hoch und hänge 30 Meter über dem Wasserfall. Allmählich bekomme ich wieder festen Boden unter den Füßen. Auf einer kleinen Lichtung am Rande des Kaau-Kraters machen wir Rast. Martin gibt mir Edemame, in Knoblauch und Öl eingelegte Soja-Bohnen. Sollen Kraft geben für den Rest der Strecke. Letztes Mal haben hier Martin´s Freunde mit Dana gewartet, weil hier der anspruchsvollste Teil der Wanderung beginnt.

Kaau Crater Trail Oahu

Der kleine Weg entlang des grünen Kamms sieht von unten gar nicht schlimm aus. Ist er aber. Mit Soja-Bohnen-Power werde ich das schon schaffen und folge Martin weiter nach oben. Mehr als 2 Fußbreiten habe ich nicht; links und rechts geht es mehrere 100 gefühlte Meter abwärts. Außerdem bläst hier der Wind bis zum Gehtnichtmehr. Teilweise robbe ich auf allen Vieren den schmalen Pfad entlang, aus Angst, der Wind könnte mich den Kamm hinunter blasen. Mir kommt der Kalalau Trail vom letzten Besuch auf Kauai in den Sinn. Da hab ich mich ähnlich gefühlt. Ich bekomme leichte Panik, aber Martin treibt mich weiter an. „Don´t look, just walk“ redet er mir ein. Sobald ich den Blick von meinen Füßen aufrichte, wird mir schwindlig.

Wir befinden uns auf einem der höchsten Punkte auf Oahu. Martin hat mir auf dem Gipfel einen Wahnsinns Ausblick versprochen. Ich bin mit meinen Kräften hinüber als ich oben ankomme und muss mich erst einmal setzen. Dann sehe ich die komplette Insel aus der Vogelperspektive. Vor mir die winzigen Wolkenkratzer von Honolulu und der Diamond Head. Rechts davon Pearl Harbor. Hinter mir Kaneohe Bay mit dem Chinaman´s Hat und ringsrum die grün bewucherten Klippen.

Ich fühle mich kurz so, als wär ich mir, dem lieben Gott und dem Tod nie näher gewesen.

Mir ist dort oben relativ unwohl, trotzdem genieße ich den Ausblick. Dann den Horror-Kamm wieder runter. Ich seile mich über rutschigen roten Sand hinab. Wie meine Hosen, das neue weiße Dave Matthews-T-Shirt oder meine Hände aussehen, ist mir inzwischen wurscht. Hänge direkt an den Klippen und lasse mich teilweise auf allen Vieren über den dreckigen Kamm rutschen. Der Kalalau Trail letztes Jahr scheint mir wie ein Spaziergang. Bin froh, als ich wieder Gestrüpp und Bäume um mich habe, die einen Fall nach ganz unten verhindern würden. Der Rückweg geht nicht mehr über die Wasserfälle, sondern über relativ einfache Wege. Meine Beine werden müde und fangen an zu schmerzen. Noch 5 Mal den Bach überquert und gut ist. Kann mich nicht erinnern, so eine Wanderung schon einmal gemacht zu haben.

Kalalau Trail 1

Camping an der North Shore

Nach den Strapazen des Kaau-Craters unternehme ich mit einen Camping-Ausflug an die North Shore. Auf der Fahrt dahin halten wir an der Film-Location des Hollywood-Streifens “50 first dates” mit Adam Sandler und Drew Barrymore. Das ehemalige Restaurant gleicht einer hölzernen Bruchbude und ist nicht wiederzuerkennen. Das Privatgelände ist trotzdem traumhaft mit Blick auf die entfernte Kaneohe Bay.

Den Campingplatz in Malaekahana haben wir fast für uns und schlagen unser Quartier deswegen direkt am Strand auf. Voll ausgerüstet mit Grill, Kajak, Schnorcheln und 2 Coolern bepackt mit Köstlichkeiten und Getränken. Für Amerikaner ist ein Cooler Standard, für mich purer Luxus. Wenn ich in Deutschland zum Zelten fahre, dann wird das Bier warm getrunken. Da das Wetter für den Strand zu schlecht ist, unternehmen wir eine kurze Wanderung auf dem Hauula Loop. Super Trail mit tollen Ausblicken über Teile der North Shore. Auf dem Gipfel Bierchen in der Abendsonne. Martin erzählt von seinem katastrophalen Start auf Hawaii im Jahre 2003. Elefanten-Kacke im Zoo wegräumen. Erst ein halbes Jahr später ergattert er einen Job bei einer Veranstaltungsfirma. Inzwischen ist er selbstständiger Production Manager, der als einer der ersten angerufen wird, wenn eine TV-Serie oder ein Hollywood-Blockbuster ansteht. Mein großer Respekt. Ob ich das auch so hingekriegt hätte? Nach unserer kurzen Wanderung lassen wir uns auf unserem Campingplatz nieder. Holz gesammelt und Grill angeschmissen, Burger gegessen und das abscheulichste Chicken unseres Lebens. Dazu Nudelsalat und Schafskäse. Das Chicken müssen wir schnell mit Bier runterspülen und sitzen die ganze Nacht am Lagerfeuer und führen großartige Gespräche über Vergangenheit und Zukunft. Dazu hören wir feinste Singer/Songwriter-Mucke von John Mayer.

camping north shore oahu

Um 6 stehe ich zum Sonnenaufgang auf. Eigentlich wollten wir da schon auf der vorgelagerten Vogelinsel sein, sind aber zu müde und es ist noch recht frisch. Lege mich also um halb 7 nochmal hin. Um halb 9 dann Wassermelone zum Frühstück und wir machen uns auf den Weg zur Brutstätte der Vögel auf eine kleine vorgelagerte Insel. Die Paddelei ist ein Katzensprung und wir finden uns auf einem süßen Eiland mit flachem Wasser wieder. Inselchen abgelaufen, Bad genommen und zurück zum Campingplatz.

Wir schmeißen den Grill noch mal an und vertilgen die restlichen abscheulichen Burger. Die liegen uns dermaßen schwer im Magen, dass wir vor Müdigkeit kaum die Augen offen halten können. Ich raffe mich abends noch zum Joggen auf, schaffe aber dank der abscheulichen Burger keine 20 Minuten.

North Shore

Jetzt, wo ich soviel Zeit auf den Inseln habe, plane ich ein paar Tage an der North Shore. Martin muss arbeiten und ich ziehe nun einfach alleine los. Ich checke in meinem Backpacker´s Hostel nahe Waimea Bay ein und werde freundlich empfangen. Ich treffe Chris aus Ravensburg, der mir eine Menge von Hostels auf den anderen Inseln erzählt. Das klingt perfekt für mich und meine Motivation steigt, die nächsten Wochen einen auf Backpacker zu machen. Wir gehen zusammen mit Martin aus Freiburg an den Three-Tables-Beach zum Sonnenuntergang. Dort bietet sich ein skurriles Bild. 3 Hochzeiten auf einmal. Der plötzliche Regen überrascht nicht nur uns sondern auch das Brautpaar. Hochzeit unterm Regenschirm am Strand. Nach der Trauung lassen sie sich von ein paar musizierenden lokalen Hippies zu Jack Daniel´s einladen. Ulkige Situation. Außerdem ist noch Steffi dabei, eine blonde Münchnerin, die in ein paar Tagen hier ihr Auslandssemester in BWL absolvieren wird. Ich kann mein Glück kaum fassen und wir sitzen zusammen mit ihrem Freund Marcus aus LA bis spät in die Nacht zusammen und unterhalten uns bei reichlich Bier über Erlebnisse auf den anderen Inseln.

sunset north shore oahu

Am nächsten Morgen kann ich nahezu alle Bewohner im Hostel zu einer Wanderung überreden und so starten wir gegen 10.00 zu einer einfachen aber wunderschönen 3-stündigen Tour oberhalb der North Shore. Wir haben viel Spaß, besonders Marcus ist ein durchgeknallter Freak, der nur Unsinn im Kopf hat. Es bieten sich tolle Ausblicke in grüne Täler und über die gesamte North Shore. Mittags sind dann wegen der starken Sonne alle müde und Marcus, Steffi und ich klappern nacheinander die schönsten Strände der North Shore ab. Danach noch Bananen-Kuchen in Ted´s Bakery, der besten Bäckerei auf Oahu. Der Tag endet am Sunset Beach ohne Sunset. Die Wolken waren diesmal schneller.

Im Hostel wartet wie gestern ein träger, dicker Typ auf uns, der von morgens 9 bis spät in die Nacht vor dem Fernseher sitzt. Ich erfahre, dass er seit 4 Wochen im Hostel ist. What the hell is he doin´? Anyway, ich nenne ihn Television Man. Auch als ich Wochen später erneut an die North Shore fahre, sitzt er in seinem Fernsehsessel…

Ich stehe relativ früh auf und treffe mich mit Steffi zum Frühstück. Ich schütte meine Cornflakes in die Schüssel und lasse vor Schreck fast die Packung fallen. Kommt da doch ein grüner Gecko mit raus. Hat sich’s in meinen Schokoflakes bequem gemacht. Danach Schnorcheln im Shark´s Cove. Traumhaft. Ich lasse meine Sandalen an wegen den riesigen Seeigeln. Aufgrund der Tiefe des Wassers ist es hier viel angenehmer als in Hanauma Bay. Außerdem kaum überlaufen.

Ich nutze vor der Heimfahrt den Tag am Three Tables Beach. Deswegen Three Tables, weil 3 tischähnliche Felsplatten in der Bucht liegen. Auch hier wieder Schnorcheln. Gefällt mir noch besser als am Shark´s Cove. Es ist tief und man braucht nicht ständig Sorge zu haben, am Riff hängen zu bleiben. Ich schwimme weiter raus und habe eine atemberaubende Unterwasserwelt unter mir. Und endlich meine eigene erste Green Sea Turtle. Sie schaut mich kurz an, findet mich völlig belanglos und knabbert dann weiter an ihren gelben, roten, blauen und weißen Korallen am Felsen. Ich geselle mich dazu und knabber ein bisschen mit ihr. Lunch mit einer Sea Turtle. Großartig. Diese Situation ist so ulkig, dass ich unter Wasser lachen muss. Dabei läuft mein Schnorchel voll und ich verschlucke mich an literweise feinstem Salzwasser.

sprungfoto am north shore

Lazy days an der North Shore

Nach wochenlangem Insel-Hopping besuche ich Anfang Oktober 2010 erneut die North Shore. Mit im Gepäck habe ich Alex, eine nette, blonde Ärztin aus Zürich, die ich Wochen zuvor auf Big Island im Hostel kennengelernt habe und John Mayer, der mich seit dem Camping mit Martin begleitet. In Haleiwa wie immer Frozen Mocha. Im Hostel am Three Tables Beach frisst eine Wildsau sabbernd eine Mango. Das schreckt uns ein wenig ab und wir gönnen uns das Beach House direkt mit Blick auf Meer und Palme. Schnorcheln ist wegen hohen Wellen diesmal eher mühsam und trüb. Also weiter zu meinem Lieblingsstrand. Mit Blondine und Bier aus Neuseeland. Die Steine im Wasser sind gemein und ich schneide mir meinen Unterschenkel und die Füße. Frau Doktor schickt mich zurück ins Salzwasser und gut ist.

Zum Sonnenuntergang an die Banzai Pipeline, dem bekanntesten Surf-Spot auf Oahu. Die “Pipe” ist eine ganz besondere Welle, ist es hier doch fortgeschrittenen Surfern möglich, durch einen Tunnel der Welle zu surfen, um am Ende wieder herauszuschießen. Surfer gleiten das glitzernde Wasser in der Abenddämmerung hinab. Ein Bild für Götter. Alex und ich haben einen lustigen Abend auf unserem dekadenten Balkon mit Meeresrauschen.

High Surf

Ab Oktober ist die North Shore kaum wiederzuerkennen. Keine Familien mehr mit Kleinkindern, die ruhige Badetage am Strand genießen wollen. Stattdessen durchtrainierte Surfer, die das ganze Jahr darauf warten, sich endlich wieder in den Wellen zu messen.

Ich wache um halb 7 von lautem Lärm auf und sehe von unserem Balkon über dem Meer, dass sich heute riesige Wellen auftürmen. Ich will sofort an den Strand. Alex geht’s da etwas gemütlicher an und wir frühstücken im Shark´s Cove Grill. Dort hängt eine Surf-Map mit allen wichtigen Wellen der North Shore. Banzai Pipeline, Off the Wall, Log Cabins oder Rock Pile. Wir checken aus und der Hostel-Besitzer macht uns Appetit: „The first winter swell is coming“.

Was uns dann am Strand erwartet ist bombastisch. Übergroße Wellen, die ich so noch nicht gesehen habe. Der Pazifik ist wohl doch etwas anderes als das Mittelmeer. Sie sind 4 Meter hoch und werden durch die Sonne grün angeleuchtet, brechen mit großem Getöse nahe am Strand und hinterlassen einen riesigen Schaumteppich. Die Strände sind gesäumt mit Schaulustigen. Besonders der Strandabschnitt “Rock Pile” hat es uns angetan. Alex und ich verstehen uns super und genießen das „Eddie-Feeling“ der North Shore. Wir können es kaum fassen, an den bekanntesten Surf-Spots der Welt zu sitzen und das Glück zu haben, den ersten Wintersturm noch mitzuerleben. Ich frage einen Surfer, der abgekämpft aus den Wellen kommt, ob er mir sein Brett für ein Fake-Foto leiht und er belächelt mich. Wir können uns der Anziehungskraft der Wellen nicht entziehen und schauen geschlagene 8 Stunden den Surfern zu. Als es dunkel wird, werden wir schlagartig müde. Wir haben beide einen kleinen Sonnenstich. Wegen der Passatwinde merkt man das tagsüber dummerweise nicht. Der Heimweg dauert eine gefühlte Ewigkeit. Ich fahre Alex nach Waikiki und finde problemlos nach Hause an den Diamond Head. Kenne mich hier inzwischen richtig gut aus.

high surf north shore

BIG ISLAND

Halemaumau – Residenz von Pele

Ich habe Sorge, dass mir jetzt im Nationalpark langweilig wird. Aber Fehlanzeige. Auch beim dritten Mal bin ich vom Kilauea und dem Halemaumau-Krater völlig begeistert. Ich liebe die frische, klare Luft und die Ruhe, die mich umgibt. Am Rande des Kraters, wo ich 2 Jahre zuvor noch mit dem Auto entlang gefahren bin, hat sich nun aufgrund von zahlreichen kleinen Erdbeben ein rund 200 Meter breiter Lavasee gebildet. Klarer Sternenhimmel, ein heller Mond und das rote Glühen des Lavasees. Dazu mehrere Sternschnuppen, die in den Krater zu fallen scheinen. Ein Erlebnis, dass ich bis heute nicht vergessen kann. Ich könnte die ganze Nacht am Jagger Museum sitzen und schieße ein Foto nach dem anderen, was ein Weilchen dauert, bei einer Belichtungszeit von einer halben Minute. Alle Besucher reden ganz leise und andächtig. Als wolle keiner Pele beim Schlafen stören. Dabei hätte ich sie so gern mal richtig wütend erlebt.

pele big island

Ich kriege noch nicht genug und schieße weiter vom Volcano House aus, in dem sich schon Mark Twain an der Lava ergötzt hat.

I forgot to say that the noise made by the bubbling lava is not great heard as we heard it from our lofty perch. It made three distinct sounds – a rushing, a hissing, and a coughing or puffing sound, and if you stand on the brink and close your eyes, it is no trick at all to imagine that you are sweeping down a river on a large low-pressure steamer and that you hear the hissing of the steam about her boilers… The smell of sulphur is strong, but not unpleasant to a sinner.

Mark Twain, 1866

Erst nachts um 3 fahre ich zur Übernachtung ins altbekannte „Volcano Hale“. Mitten im Regenwald schicke ich stolz meine Eindrücke per WLAN in die Heimat.

Wandern im Vulkan-Nationalpark

Mein nächstes Ziel ist eine Wanderung auf dem Kilauea Iki Loop. Mein Pfad führt mich durch dichten Regenwald. Plötzlich stehe ich inmitten eines schlafenden Lavasees. Schlafend deswegen, weil der Krater noch nicht erloschen ist. Das merkt man recht schnell, wenn man die Hand an eine Lavaspalte hält. Heiße Rauchwolken steigen aus den Spalten empor. Schwarze Lavafelder wechseln sich ab mit lila, rosa und braunen Schwefelbänken. Außer mir nur sehr wenige Menschen in dieser bizarren, von Nebel und Regen umgebenen Landschaft. Vor 40 Jahren war der Kilauea Iki ein brodelnder Lavasee, der Feuerfontänen 600 Meter in die Luft schleuderte. Auf dem Rückweg kommt dann endlich die Sonne raus und bietet einen großartigen Ausblick auf den Krater, den ich eben durchwandert habe. Im Hintergrund die giftige Rauchsäule des Halemaumau. Ich kann von diesen Ausblicken einfach nicht genug bekommen. Auch nach vielen aufregenden Tagen im Nationalpark haben die Vulkane für mich kein Stück an Faszination verloren.

Nach einem kurzen Mittagsschlaf mache ich mich auf zum zweiten Trail. Ich will zum Puu Huluhulu. Von dort aus hat man einen tollen Ausblick auf Mauna Loa, Mauna Kea und den PuuOo. Wie immer nur bei gutem Wetter. Das habe ich nicht. Ich sitze also mutterseelenallein auf meinem Krater und warte auf Besserung. Die Sonne hat heute keine Lust. Dafür überfällt mich ein Gefühl der Einsamkeit inmitten der toten Landschaft. Ich beschließe trotz Nebel einen Abstecher auf den Mauna Ulu zu unternehmen. Seine tollen Braun- und Rottöne lassen mich völlig euphorisch weiter aufsteigen, über bizarre Lavabrocken bis hoch zum Kraterrand. Die Ausblicke rauben mir den Atem, nicht zuletzt wegen der Schwefeldämpfe, die mich umgeben. Ich stehe direkt am Kraterrand, der mit Rissen durchzogen ist. Wenn der Rand mich nicht hält, dann gute Nacht. Ich erhasche auf die Schnelle einen Blick in den rauchenden Krater und mir wird plötzlich unwohl. Auf einmal wirkt alles wahnsinnig unheimlich und bedrohlich. Nicht zuletzt wegen der dünnen Lavakrusten, die ständig unter meinen Füßen nachgeben. Mit den Wanderstöcken stocher ich voraus und breche mehrmals ein. Es ist, als würde man über dünnes Eis laufen. Ich sehe nur noch schwarze Spalten um mich herum und bin kurz vor einer Panikattacke. Nebel, Nieselregen und Rauch inmitten eines riesigen Lavafeldes. Keine Menschenseele außer mir. Also ein Stück zurückgelaufen. Mein ursprünglicher grünbewachsener Krater dient mir zur Orientierung. Bei jedem Schritt zittern mir fast die Knie. Endlich habe ich meinen Pfad erreicht und bin Gott froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Glühender Pazifik in Kalapana

Am nächsten Tag führt mich meine Reise nach Kalapana und ich relaxe tagsüber am Kehena Black-Sand-Beach. Ich versuche es zumindest. Ständig bekomme ich Marihuana angeboten. Das ist nichts für mich, ich habe Großes vor. Gegen 16.30 mache ich mich auf den Weg zu den Ocean Entries. Bin gespannt, wie die Lava diesmal aussieht. Nach etwa einer Stunde erreiche ich einen Palmenwald, der völlig zerstört ist vom Lava-Fluss letzte Woche. Es riecht verbrannt. Die verschiedenen Farben in der Abendsonne rauben mir den Atem. Blauer Himmel, grüne Palmenblätter, verbranntes Gestrüpp, silbrige und schwarze Lava. Und dann wird es langsam heiß unter meinen Füßen. Ich sehe meinen ersten winzigen Skylight. 50 cm vor mir glüht es durch ein Loch an die Oberfläche.

hiking big island

Ich weiß nicht so recht wie ich weiterlaufen soll, da gesellt sich ein Alt-Hippie mit 4 Frauen zu mir. Er hat Flip-Flops an. Die Hawaiianer sind gnadenlos. Wir entscheiden uns für den nicht vorhandenen Weg an der Klippe. Nach einer weiteren Stunde stehen wir schließlich an der Küste und haben ein Naturschauspiel vor uns, das mir den Atem raubt. Die Lavaflüsse in den Pazifik sind hunderte von Metern lang. Kein Vergleich zu letztem Jahr. Ich will näher ran und warte auf eine geführte Gruppe von Schweizern, die sich immer weiter an die Lava heran trauen. Seltsam. Sobald jemand vor einem läuft, bekommt man ein gewisses Gefühl von Sicherheit, obwohl es in jeder Spalte, die ich überquere, gefährlich leuchtet.

Eine wahnsinnige Hitze umgibt mich. Meine Füße werden heißer und heißer. Euphorie wechselt sich ab mit Unbehagen. Können diese glühenden Lavabrocken brechen? Glühen sie nur aus, oder fließt direkt unter mir ein Strom? Wage mich aber trotzdem auf die gefährlichen Lava-Benches direkt am Meer, um einen noch besseren Blick zu bekommen. Was ich hier mache ist schlichtweg Wahnsinn. In jeder Hinsicht. Ich stehe 30 Meter vor einer unglaublich schönen Naturkatastrophe… Langsam wird’s mir zu heiß und wir treten den Rückweg an, immer mit einem Blick zurück auf die brodelnden Ocean Entries. Am liebsten hätte ich hier die Nacht verbracht. Der Rückweg ist viel leichter, schneller und angenehmer. Das wussten wir nur beim Hinweg nicht.

Muss mich alle 5 Minuten umdrehen, um noch einen Blick zu erhaschen. Oben auf dem Berg kommen die neuen frischen Lavaflüsse des PuuOo-Kraters heruntergeflossen. Endlich angekommen, erwartet uns das Kalapana Village Cafe mit hawaiianischen Musikern, die Commitments und Elton John im Hawaii-Style spielen.

lava tube big island

Ich fahre in den Lava Tree State Park und durch die fantastische Küste des McKenzie State Parks. Auf dem Weg versuche ich vergeblich eine Boot-Tour zur Lava zu organisieren. Alles ausgebucht. Also entscheide ich mich kurzerhand, den Trip ein zweites Mal zu Fuß zu machen. Laufe also bei leichtem Regen los. Als ich den Pfad im Grünen erreiche, bietet sich mir ein großartiges Naturschauspiel: Ein doppelter Regenbogen. “Alexander´s dunkles Band” nennt sich wohl dieses Phänomen aus Haupt- und Nebenregenbogen. Die dicken Wolken kommen näher und ich flüchte in den von der Lava angekokelten Palmenwald. Setze mich auf eine Kokosnuss und warte unter Palmwedeln bis der Regen nachlässt. 10 Min später stehe ich wieder in der Hitze und folge dem Guide, der gestern auch schon da war. Er winkt mich zu sich her und ich stehe 5 Meter vor einem wulstigen Lavafluss, der sich zischend in die Wellen ergießt. Der Guide steht neben mir und zündet sich ein Pfeifchen Marihuana an. Ich brauche in diesem Territorium einen klaren Kopf. Der Anblick der Lavaflüsse ist Droge genug. Er nutzt das wohl noch zur zusätzlichen Bewusstseinserweiterung. Ich habe in meinem Leben nichts Schöneres und Aufregenderes gesehen. Ich schieße hektisch ein paar Fotos und fühle mich dabei unglaublich mutig. Irgendwie entwickelt man eine gewisse Routine, wenn man mehrmals über die heißen Lavaplatten läuft, aus deren glühenden Spalten immer wieder kleine blaue Flammen emporzüngeln. Ein unheimliches Bild. Bin aber trotzdem froh, als ich wieder normalen Boden unter den Füßen habe und schaue mir das Spektakel noch etwas aus sicherer Entfernung an.

In meiner Unterkunft angekommen, empfängt mich schon am Auto meine Katze und tut grad so, als sei sie froh, dass mir nichts passiert ist.

Auch am nächsten Tag mache ich mich auf den Weg und erreiche diesmal die Lavaflüsse ganz alleine. Mir ist etwas mulmig, aber Pele zieht mich magisch an. Dann stehe ich direkt an der Klippe und 10 Meter vor mir der Lavastrom. Die Kraft der Natur und die Rauchsäule ist dermaßen bombastisch und faszinierend, dass ich wie angewurzelt stehen bleibe; auch als es immer wieder zu kleinen Explosionen kommt, bei der die flüssige Lava 10 Meter hoch in die Luft geschleudert wird. Ich fühle mich klein und hilflos. Eigentlich ist das Wahnsinn, was ich hier tue, aber irgendwas sagt mir, dass Gott bei mir ist und ich sicher bin. Ich genieße die Kräfte und die Energie, die in diesem Naturschauspiel stecken. Das will ich mit nach Hause nehmen. Diesmal hab ich meine kleine Digicam dabei und erwische die Explosionen. Jetzt schnell ein paar Meter zurück, wo mich die glühenden Lavafunken nicht erwischen können. Allmählich kommen dann auch wieder geführte Gruppen und ich traue mich noch mal vor, um ein paar tolle Aufnahmen zu schießen.

Auf dem Rückweg treffe ich ein englisch/amerikanisches Pärchen, zeige ihnen den kürzesten Rückweg und fahre sie zur ihrer Unterkunft. Ich kann´s kaum erwarten, mein Kätzchen zu sehen, aber es taucht leider nicht auf. Dafür entschädigt mich mein Filmchen. Ich habe den kompletten Lavaregen eingefangen. Außer den Vulkangeräuschen ist nichts zu hören. Ich bin schlichtweg sprachlos. Zu meiner Freude habe ich Internet und verschicke die schönsten Bilder nach Deutschland. Hundemüde falle ich mit Froschkonzert und den Bildern der Lava ins Bett.

pele big island active

Von Flöten-Hippies und Lava-Guides

Nach einigen Tagen auf Oahu beschließe ich kurzerhand ein zweites Mal nach Big Island zu fliegen, um die Vulkane mit mehr Zeit zu erforschen.

Der Flieger von Oahu nach Big Island wird zu spät eingecheckt, trotzdem starten wir pünktlich auf die Minute und landen 10 Minuten früher. In Hawaii ticken die Uhren langsamer, das Fliegen hingegen klappt reibungsloser als auf dem Festland, was wohl an den äußerst kleinen Flughäfen liegt. Aus der Vogelperspektive habe ich einen großartigen Blick in den Haleakala-Krater auf Maui. Wir sind kaum höher als der Vulkan selbst. 5 Minuten später hab ich mein Auto, 10 Minuten später Check-in im Hilo Bay Hostel. Das Reisen von Insel zu Insel ist äußerst angenehm. Uriger Laden, die besten und saubersten Betten bisher und nette Betreiber. Kann sogar waschen. Mein Handtuch gammelt mittlerweile etwas vor sich hin. Habe aber wieder etwas seltsame Zimmerkollegen. Ich schaue mir den wunderschönen Stadtpark an, den sie nach dem zerstörerischen Tsunami neu angelegt haben. Ein Rastafari begrüßt mich mit „Aloha Brotha“ und will mir eine Flöte aus Holz andrehen. 30.000 habe er schon in die ganze Welt verkauft. Und viele große Musiker setzen sie auf ihren Aufnahmen ein. Und er hat von jedem Käufer eine Unterschrift. Aha. Er lässt auch nicht locker, als ich ihm erzähle, dass ich für so was keinen Platz habe, weil ich mit dem Rucksack aus good ole´ Germany gekommen bin. Er zieht Flöten in jeder Größe aus seiner Tasche. Ich kaufe aber trotzdem keine. In der Hitze bekomme ich vom Flötenmann einen unglaublichen Durst und erkundige mich stattdessen nach einem Supermarkt. Aloha Brotha. Ich schleppe mich zum nächsten Laden und kaufe direkt 4 Getränke auf einmal. Erst nach einem dreiviertel Liter ist der Durst gelöscht und ich bekomme von so viel kalter Flüssigkeit heftige Magenkrämpfe. Danach fahre ich bei meiner Lieblingsmusik die Gegend erkunden und buche meine Locations für die nächsten Tage. Ich gehe noch mit ein paar seltsamen Typen aus dem Hostel in eine Bar. Ein Kanadier hat sich ein Grundstück auf Hawaii gekauft und will ein Haus bauen. Das Grundstück hat er noch nie gesehen… Ich verschwinde recht schnell wieder und treffe vor dem Hostel eine Gruppe Deutsche und Schweizer, die für 4 Wochen in Waikiki in einer Sprachschule sind und am Wochenende die anderen Inseln besuchen. Ich erzähle begeistert von der Lava und schon bin ich als Guide engagiert.

Wache um 6 vom Straßenlärm auf und treffe noch weitere deutsche Touristen. Auch sie wollen zur Lava. Morgens aber erst zum Schnorcheln an den Richardson Beach Park. Das Wasser ist recht trüb, aber ich sehe meine größte Turtle bisher. Sie misst fast 2 Meter und ich beobachte sie beim Frühstück an einem moosbewachsenen Felsen.

Durch meine Vulkan-Leidenschaft ist der Südosten mit dem Volcano-Nationalpark und Kalapana jedes Mal Hauptanlaufstelle auf Big Island. Diese Region hat nicht nur durch die Einzigartigkeit der Natur sondern auch wegen der mystischen Geschichten um die Feuergöttin Pele etwas Magisches.

Die Aufregung steigt wegen der bevorstehenden Lavatour. Mittags lade ich York ins Auto und wir fahren nach Kalapana. Dort treffen wir die lustige Melanie, die blonde Ärztin Alex und 2 Schweizer Jungs von gestern Abend. Meine erste Lava-Guide-Tour. Ulkig. Ich bin im Urlaub und mache einen auf Animateur. Meinen Mitwanderern erkläre ich, dass ich sie zwar führe, aber keinerlei Verantwortung übernehme. Das führt anfangs zu Unbehagen. Bin wieder ganz euphorisch und laufe voraus. Für die anderen ist es das erste Mal und sie sind weitaus aufgeregter als ich. Auf dem 1,5-Stunden-Marsch erzähle ich ihnen von den verschiedenen Lava-Arten und wie alt die Flüsse sind, über die wir steigen. Endlich angekommen, packe ich Würstchen aus und grille an einer Lavaspalte. Dazu kaltes Budweiser. Danach trauen wir uns direkt an die Klippe vor, an der sich die Lava ins Meer ergießt. Die Strömung zieht das heiße Gestein ins Meer hinaus, die Welle trägt es wieder zurück. Besonders York kann sein Glück kaum fassen und wir wollen Montag noch mal zusammen gehen. Danach wieder obligatorischer Sit-In im Kalapana Village Cafe mit Liveband. Ich bekomme Lust mit der Band zu spielen und kurz darauf sitze ich auf der Bühne und spiele 2 Nummern mit „Lanna Murphy´s Lavawalkers“. Meine Begleiter jubeln ordentlich. Zuhause dann noch Absacker und lustige Hawaii-Geschichten vor dem Hostel. Thanks for travelling with „LavaFLOw´s Adventure Co. Tips are welcome“. Wie süß. Meiner Lava-Gruppe hat´s so gut gefallen, dass sie mir stolze 40 $ Trinkgeld geben. Ich bin gerührt. Und traurig, dass die Sprachschüler wieder nach Oahu fliegen. Lava verbindet. Wir gehen noch zusammen frühstücken und dann geht jeder seiner Wege.

Ich will versuchen, beim Finale des Red Bull Cliff Diving reinzukommen. Ich bezirze den Security und er gibt mir eine Einladung. Seine letzte. Ich muss nach Hilo an die Uni, um mir ein VIP-Bändchen zu holen. Im Shuttle-Bus werden kalte Drinks serviert. Red Bull in allen Variationen. Ich hasse das Zeug, nehm aber gerne eins. Ich freue mich wahnsinnig. Dort angekommen, ist dann doch alles etwas ernüchternd. Der Blick von der Brücke an der Straße ist viel besser. Ich nehme aber kostenloses Mittagessen und noch ein paar Red Bull zu mir und schaue den weltbesten Klippenspringern zu, die sich aus 30 Metern Höhe in die Tiefe stürzen.

Mir gefallen meine Lavatouren so gut, dass ich nach einigen Tagen in Hilo auschecke, um noch ein paar Tage in Kalapana zu verbringen. Mein Tagesablauf sieht inzwischen vor, dass ich tagsüber Schnorcheln gehe und die Umgebung erkunde, um mich am frühen Abend auf den Weg zu den Ocean Entries zu machen. Schön, wenn man viel Zeit hat, um ganz tief in die Inseln einzutauchen. Super geschlafen in einem riesigen Bett ganz für mich allein. Ich bleibe bis 9 liegen. Mittags fahre ich ans Kalapana Village Cafe und gönne mir ein leckeres Truthahn-Sandwich mit Nudelsalat. Ich buche eine Lava-Boat-Tour für ein Schweinegeld, suche den Hafen, damit ich es heute Abend nicht verpasse und setze mich auf dem Rückweg noch kurz an die schroffe Felsküste des MacKenzie State Parks.

Ich hoffe erneut auf mein Kätzchen, das aber einfach nicht auftauchen will. Ich mache mich also gegen halb 5 auf den Weg zum Isaac Hale Park und treffe dort Captain Melvin, der uns zu dritt über die Wellen schaukelt. Der Blick auf die grün bewachsene Küste ist atemberaubend. Dann sehe ich meinen täglichen Wanderweg vom Wasser aus und ein paar Minuten später befinden wir uns direkt an und unter der Rauchsäule. Der goldene Sonnenuntergang, das grau-schwarze Wasser und die Schwefeldämpfe der Lava geben ein unwirkliches Bild ab. Fühlt sich so die Hölle an? Oder eher der Himmel? Das Wasser ist auch 30 Meter vom Ocean Entry so heiß wie ein Whirlpool. Die Luft ebenso, so dass die Linse meiner Kamera beschlägt. Trotzdem gelingen mir ein paar gute Aufnahmen. Allerdings verdeckt der Rauch den Lavafluss und ich sehe weniger als gestern zu Fuß. Wir schaukeln fast eine Stunde in Pele´s Revier und ich bin ganz benommen von diesem Spektakel. Benommen auch vom Rückweg, weil Melvin über riesige Wellenberge über den Ozean prescht. Ich fixiere einen Stern im Nachthimmel, weil ich Kopfweh bekomme und mir ein wenig schlecht wird. Seekrankheit? Die Rückfahrt will einfach nicht enden. Um 9 falle ich völlig erledigt ins Bett. Will um 3 schon wieder raus, um die Lava zum Sonnenaufgang zu sehen. Gehe duschen und sehe, dass es draußen regnet. Bei der Vorstellung, nachts allein im Lavafeld zu sein, wird mir plötzlich unwohl und ich werfe meine Pläne über den Haufen. Morgen auf ein Neues.

lava tour hawaii boat

Bier am Pahoehoe Lava-Strom

Meine Vermieterin Babette vom Oliana Cottage erzählt mir, dass ein Freund ein Haus direkt im Lavafeld besitzt. Auf meine Frage hin, ob er denn wahnsinnig sei, sagt sie nur „No. He loves the lava. As you do. He only wants to stay close to Pele.” Am Kalapana Village Café sagt man mir, dass ich alleine nicht laufen darf, weil ich mich auf Privatgelände befinde. Das ist so eine Sache mit Privatgelände auf dem Lavafeld, wenn Big Island durch die stetigen Lavaströme ins Meer immer größer wird. Vergrößert sich damit automatisch auch mein Grund und Boden? Etwas gelangweilt laufe ich los, da ich keine großen Hoffnungen habe, heute mehr zu sehen als sonst. Dann treffe ich 5 Meter vom „Ocean Entry“, wo die Lava ins Meer fließt, 2 Franzosen und eine Amerikanerin. Der ältere der Franzosen stellt sich als Alain Gerente vor und sagt, wo ich hintreten darf und wo nicht. Ich weiß nicht so recht, ob er nur ein Möchtegern-Forscher ist wie ich, oder ob er wirklich weiß was er tut. Dann stellt sich nach und nach heraus, dass er ein französischer Vulkanforscher ist, der Vulkandokus für ARTE gedreht hat. Der jüngere ist sein Neffe und die Amerikanerin ist Krankenschwester in Hilo. Was bin ich für ein Glückskind. Direkt vor mir habe ich heute einen fantastischen Blick auf den Lavastrom, der sich mit 25 km/h in den Pazifik ergießt. Alain schlendert übers heiße Lavafeld, als wäre das das Normalste der Welt. Ist es für ihn wohl auch. Ist schließlich sein Job. Er winkt mich eilig herüber und ich schlendere ihm hinterher. Direkt am unterirdischen Lavakanal vorbei oder darüber hinweg. Genau weiß ich das wegen der großen Hitze nicht. Ich fühle mich komischerweise völlig sicher in seiner Gegenwart. Dann entdecke ich einen silbrig schimmernden Lavastrom an der Oberfläche. Meine Euphorie steigt und ich bin am Ziel meiner Träume. Wir haben einen Pahoehoe-Strom gefunden. Diese Art der Lava entsteht, wenn die unterirdische Lavaröhre verstopft. Ich kann mein Glück nicht fassen. Die anderen gesellen sich zu uns und wir stehen auf einem kleinen schwarzen Sandstrand und beobachten, wie sich die Lava langsam und gemächlich auf uns zu bewegt. Ich hoffe, ich kann diese unglaubliche Energie aus dem Erdinneren mit nach Hause nehmen. Alain sagt, dass die Lava sich nach links bewegen wird, Richtung Meer. 5 Minuten später tut sie das tatsächlich. Der Mann ist eine Koryphäe. Wir fühlen sie, wir riechen sie, wir hören sie, wir sehen sie. Ein Fest für die Sinne. Dazu packe ich Zigaretten und Bierchen aus. Was für ein fantastisches Erlebnis. Ein kühles Helles am Lavastrom. „Real German“ sagt der Neffe lachend, freut sich aber ungemein, als ich mein Bier in der Runde rumgehen lasse. Ich kann meine Begeisterung nicht bei mir behalten und jubel sie lauthals in den lauen Abend hinaus. Wir schießen wahnsinnig tolle Fotos und haben zu viert eine tolle Zeit. Als würden wir uns schon ewig kennen. Alain gibt mir seine E-Mail-Adresse und lädt mich in seine Heimat La Réunion ein. Der Vulkan soll nächsten Monat wieder ausbrechen. Wir machen uns in der Dunkelheit auf den Heimweg und Alain erzählt mir, dass er sich mit der Regierung für mehr Tourismus auf Vulkanen stark machen will. Super Typ. Auf dem Heimweg im Auto grinse ich wie ein Honigkuchenpferd. Ich rufe Martin auf Oahu an, weil ich Erlebtes loswerden muss und schicke mein Starfoto, welches mich vor dem Lavastrom zeigt per Mail in die Heimat. Kann kaum schlafen, so aufgewühlt bin ich. Das wird vermutlich das schönste und atemberaubendste Erlebnis meines Lebens bleiben.

lava bigisland hawaii
beer and lava hawaii

Ich starte morgens um 8 Richtung Flughafen. Ein letztes Mal sehe ich Pele´s Rauchsäule und bin traurig, dass ich den Kilauea verlassen muss. Die Lava übt offensichtlich eine dermaßen große Faszination auf mich aus, dass ich sie jetzt schon vermisse. Augenblicke wie gestern machen süchtig. Ich habe die Bilder immer noch vor mir. Auf dem Flug genieße ich einen tollen Blick auf alle Inseln. Maui, Lanai, Molokai, Oahu. Schon wieder 15 Minuten eher da. Mir fällt heute wieder auf, dass ich den hawaiianischen Lebensstil angenommen habe. Ich habe seit 8 Wochen keine normalen Schuhe mehr angehabt. Ich ärgere mich über die hohen Autoversicherungen. Hatte einen traumhaften Deal für 85 $ für 7 Tage. Mit Versicherung und Steuern bin ich wieder bei über 300…

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KAUAI

Frischzellenkur unter den Wailua Falls

Wenn man in Lihue auf Kauai landet, empfiehlt sich ein Abstecher zu den Wailua Falls. Aus 30 Meter Höhe fallen die Wassermassen über eine Felsklippe in die Tiefe. Einen schönen Ausblick hat man an der Wendeplatte etwa 60 Meter oberhalb der Wasserfälle, die meistens ab dem späten Vormittag von zahlreichen Touristen belagert wird. Der Legende nach haben sich hier die alten Hawaiianer hinuntergestürzt, um Frauen zu imponieren. Da ich bei meinen Hawaii-Reisen keine Frauen beeindrucken muss (oder weil sich keine Gelegenheit bietet), lasse ich den Sprung bleiben, ignoriere aber bei meinem zweiten Besuch das Verbotsschild einige Meter von der Wendeplatte entfernt. Hier geht es äußerst steil durch dichten Dschungel auf einem matschigen Pfad in die Tiefe. An den Bäumen sind Stricke befestigt, die die waghalsigen und romantischen Abenteurer sicher nach unten bringen. Was einen allerdings am Fuße der Wasserfälle erwartet, ist das Paradies auf Erden. Grüne üppige Natur, ein paar größere Felsen, auf denen man wunderbar picknicken kann und die tosenden Wassermassen, die sich in einen großen runden Pool stürzen und dabei erfrischenden Wasserstaub produzieren. Ein Bad im eiskalten Pool wirkt wie eine Frischzellenkur. Morgens um 9 sind die Wailua Falls am schönsten, die Sonne bricht langsam durch die großen Bäume und wirft tausend magische Lichtstrahlen durchs grüne Dickicht. Am Rande des Pools steige ich über Geröll an die gebogene Felswand und sitze nun hinter den herabstürzenden Wassermassen in einer kleinen Höhle.

Wailua Falls Kauai
Wailua Falls Kauai2

Im nahe gelegenen Kapaa quartiere ich mich 2010 im Kauai Beach House ein, einem sehr einfachen Hostel, dass einer Hippie-Kommune gleicht. Hier trifft man aber schnell Gleichgesinnte. Die Küche und auch die 9-Bett-Zimmer sind zu mehren Seiten offen und von tropischen Gewächsen umgeben. Mein Schlafplatz geht direkt zum Meer hinaus. Das ist doch was. Ein günstiges Hostel für 20$ die Nacht hat aber auch Nachteile. Als ich nach dem Joggen duschen will, stelle ich fest, dass die Dusche stillgelegt ist. Ich versuche daraufhin mein Glück einen Stock tiefer und muss feststellen, dass dort auch nur ein einfacher Wasserschlauch direkt neben der Toilette befestigt ist. Kein Vorhang, keine Wanne. Na immerhin… Ich freunde mich mit Pepa aus Hannover, Julia aus München, sowie einigen Schweizern an und treffe auch York wieder, den ich einige Wochen zuvor im Hostel auf Big Island kennengelernt habe. Wir kochen zusammen und genießen danach bei einigen Budweiser den Sonnenuntergang. Ich habe das Gefühl, den Schlaftrunk dringend zu brauchen, wenn ich an die erste Nacht im 9-Bett-Zimmer denke. 8 schnarchende Männer aller denkbaren Nationalitäten mit mir in einem Raum.

Als ich gegen Mitternacht das Zimmer betrete, schlafen alle Mitbewohner ruhig und friedlich. Das einzige, sehr wahrscheinlich unerträgliche Schnarchen kommt von mir.

kauai beachhouse hostel

 „You will feel your muscles tomorrow. I was just wondering, how you will clean your teeth…” sagt mir die Betreiberin von „Waterski Kauai“, bei der ich mir eine halbe Stunde Wakeboard gönne. Sehr teuer, aber ein großes Vergnügen, in der Abendsonne auf dem Wailua River zu waken. Glitzernde Kokospalmen in der Abendsonne. Für meinen anstrengenden Abendsport bedanke ich mich selbst und gönne mir ein Wailua-Wakeboard-T-Shirt. Sehr zu empfehlen ist auch eine Kajak-Tour. Dazu mietet man sich im Kamokila Hawaiian Village ein Kajak, um zur Fern Grotto oder zu den Secret Falls zu paddeln. Nach einigen Tagen im Hippie-Hostel brauche ich eine saubere Unterkunft und ich buche ein eigenes Hotelzimmer in der Nähe. Das Kauai Sands Hotel ist einfach, aber schön ruhig. Ich habe endlich wieder ein großes bequemes Bett, eine eigene Toilette und eine eigene Dusche.

wailua wakeboard hawaii

Waimea Canyon Trail

2010 wandere ich mit Pepa, die ich im Hostel in Kapaa kennengelernt habe, den Waimea Canyon Trail. Das Grün der Garden Island zum Sonnenaufgang ist vollkommen. Um 7.45 starten wir auf dem Canyon Trail in kühlen Bananenfeldern. Bei fantastisch frischer Morgenluft überqueren wir über eine abenteuerliche Hängebrücke den Waimea River. Direkt hinein in eine grüne Oase. Die riesigen Bäume tragen ein dermaßen frisches und fruchtiges Grün, dass man sich einfach nur in ihrem Schatten niederlassen will. Nach kurzer Zeit müssen wir das zweite Mal den Fluss überqueren und ich versuche vorerst von Stein zu Stein zu springen. Ist mir aber mit meinem Kamera-Rucksack zu gefährlich und ich ziehe mitten im Fluss die Schuhe aus. Sobald ich auf die Füße schaue, verliere ich das Gleichgewicht. Das Canyon-Wasser ist unglaublich erfrischend. Also Schuhe wieder an und weiter durchs üppige Grün. Schon nach 10 Minuten die dritte Fluss-Überquerung. Schuhe wieder aus und wieder erfrischendes Fußbad. Dann die erste Steigung über felsige und staubige Wege. Der Canyon gibt seine ersten Blicke auf beige-rosa-rote-lila Felswände frei. Leider ist eine Kamera nicht in der Lage, diese Farbenvielfalt und Weite des Canyons einzufangen. Von unten ist der Canyon riesig und viel luftiger als von oben angenommen. Es riecht nach Verwesung. Unzählige Kröten springen in alle Richtungen, als wir uns nähern. Am Wegesrand schmort der Rest eines Hundekadavers in der Mittagshitze. Bei der dritten von insgesamt 16 Fluss-Überquerungen machen wir Rast und essen unsere Hot-Dogs. Wie passend… Wir können uns von dem romantischen Flüsschen kaum trennen und reden über Gott und die Welt. Ich erzähle Pepa von Mama´s Todesstunde. Lustiges und intelligentes Mädchen. Hat schon viel erlebt mit ihren 19 Jahren. Fühlt sich fast an wie eine kleine Schwester. Und läuft die kompletten 24 km in ihren Chucks. Respekt. Diese Schuhe haben weder Fußbett noch Profil. Der staubige Trail und die lustigen Gespräche machen mich unglaublich durstig und ich habe 2/3 meines Wasservorrats bereits aufgebraucht, bevor wir überhaupt angekommen sind. Wir tauchen immer weiter in den Canyon hinein und sehen bombastische Felsformationen. Am frühen Nachmittag erreichen wir das Wiliwili-Camp, an dem Bergziegen vor Angst die Canyon-Wände hinaufklettern. Wir sind etwas überrascht, schon die Hälfte des Weges hinter uns zu haben und würden am liebsten noch stundenlang weitergehen. Immer tiefer hinein in den Canyon. Die Stimmung der bunten Schlucht ist magisch, wie in einer anderen Welt. Aber unser Wasservorrat und die Tageszeit zwingen uns zum Umkehren.

Waimea Canyon Trail

Der Rückweg zieht sich und unsere Füße fangen an zu schmerzen. Der Durst ist kaum mehr auszuhalten, wir müssen unser Wasser sparen. Wie aus dem Nichts erscheinen hinter uns 2 Bauarbeiter auf ihren Quads, die auf dem Hinweg schon das natürliche Bewässerungssystem gesäubert haben. Ich strecke spaßeshalber meinen Daumen raus. Mitnehmen können sie uns nicht. Mit den Worten “You look thirsty”, deuten sie aber auf ihren Cooler, der mit eisgekühlten Getränken gefüllt ist. Uns ist nach Freudentänzchen zumute. Ein Geschenk des Himmels. Kann mich nicht erinnern, mich schon mal so über kaltes Wasser gefreut zu haben. Der Rest des Weges ist schnell geschafft und wir fahren noch an die Canyon-Lookouts und ein letztes Mal an meinen geliebten Kalalau-Lookout. Erstrahlt heute wieder in besonders schönen Farben. Noch 2 Bier am Strand in Kapaa mit Pepa und schönem Vollmond. Dieser wirft einen gelb-grün-lila Kreis auf die davor stehenden Wolken. Nennt sich wohl „Moonbow“.

Waimea Canyon Trail2

MAUI

Maui ist die zweitgrößte Insel des Archipels und nach dem polynesischen Halbgott benannt. Wegen der durch Erosion entstandenen flachen Landbrücke zwischen den West Maui Mountains und dem Vulkan Haleakala wird sie auch „The Valley Isle“ genannt. Während Oahu überwiegend von japanischen Touristen besucht wird, ist Maui bei Besuchern vom US-Festland und aus Kanada äußerst populär.

In Maui gönne ich mir einen Frappuccino Mocha Coconut. Ich weiß nicht so recht. Was die Amis nicht alles zusammenpanschen. Maui ist eine Insel mit Gegensätzen. Im Süden finden sich lange Traumstrände und Luxushotels. Im Osten hingegen einsame Naturschönheiten wie im kleinen Städtchen Hana. Schönheiten aus Hollywood hingegen findet man eher im Süden. Immer wenn ich beim Friseur die Gala lese, entdecke ich Paris Hilton oder Hale Berry am Strand von Maui. Haben Schauspieler nicht das Verlangen, ihre Zeit in einsamer und atemberaubender Natur zu verbringen?

Banana Bungalow – Leben im Ghetto

Das Hostel ist berühmt-berüchtigt. Große Ansprüche darf man da nicht haben. Es ist allerdings günstig und man trifft als Alleinreisender jede Menge Gleichgesinnte. Und es hat den Vorteil, dass die Bungalow-Guides kostenlose Touren anbieten, um die Insel kennenzulernen. Das kleine Städtchen Wailuku in der Nähe des Flughafens hat nichts zu bieten außer heruntergekommene Straßen und Häuser, auch die Bewohner machen einen unheimlichen und schäbigen Eindruck. Nachts solle man nicht allein auf die Straße, sagt man mir. Zu gefährlich. Was mich nicht umbringt, macht mich härter, denke ich mir und betrete im Banana Bungalow eine Großraumküche mit mehreren Kühlschränken und versifften Waschbecken. Hier ist jeder selbst für sich verantwortlich. Ich besorge noch schnell etwas Essbares und ein Sixpack Bier, beschrifte meine Tüte und stelle sie zu den anderen 12 Tüten in den Kühlschrank. In der mit Aussteigern und Hippies überfüllten Küche fällt mir im multilingualen Stimmen-Wirrwarr auch wohlklingender Schweizer Akzent auf und ich freunde mich mit Nadine und Oliver aus Bern an. Der Banana Bungalow scheint eine einzige große Party zu sein. Marihuana-Schwaden im Außengelände. Ich solle keine grüne Badeshorts anziehen, sagt mir ein anderer Schweizer unter schallendem Gelächter. Die werde sonst auch geraucht. Ich bleibe beim Bier und versuche weitere Kontakte für die nächsten Tage zu knüpfen. Meine Kollegen des kahlen 6-Bett-Zimmers kenne ich noch nicht. Bin gespannt, weil das komplette Hab und Gut eines Mitbewohners auf dem Boden verteilt ist. Die kostenlose Hana-Tour morgen ist eigentlich schon ausgebucht. Trotzdem setzen mich die Betreiber des Bungalows, die mich auch kostenlos vom Flughafen abgeholt haben, noch auf die Liste. „There is a trick…“ erzählt mir die Fahrerin. Ich solle einfach eine Flasche Whiskey kaufen und alle abfüllen, dann wird bestimmt ein Platz frei…

Ich habe extrem schlecht geschlafen, weil eine Amerikanerin in wenigen Tagen Geburtstag hat, jetzt schon mal vorfeiert und mitten in der Nacht unser Zimmer zur Partymeile freigibt. Die verstreuten Klamotten gehören zu ihr. Bin leicht geschockt, dass eine Frau zu solch einem Saustall fähig ist.

Road to Hana

Die 80 km lange Straße verläuft auf dem Highway 36 an der Nordküste von Maui in östlicher Richtung über 59 Brücken und 620 Kurven bis nach Hana, einem kleinen, verschlafenen Dorf mit wenigen 100 Einwohnern. Erster Stop ist Paia, einem kleinen Hippiedorf, in dem Country-Legende Willie Nelson einen Saloon betreibt. Paia ist zu einer kleinen Attraktion geworden, obwohl es keine weiteren Attraktionen bietet, außer sich selbst. Keine tollen Ausblicke, keine Wasserfälle, dafür bizarrer Charakter und dazugehörige Charaktere. Ein 90 Jahre altes Hippie-Pärchen auf einer Harley, ein Rastafari mit mehr Dreck in seinen Dreadlocks als auf einer Dirt-Road, ein junger Freak, der ernsthafte Unterhaltungen mit sich selbst führt.

Wir decken uns mit Getränken und Snacks im Mana Food-Store für den Tag ein, da es auf dem langen Weg nach Hana nichts gibt außer Straßen, Natur und Wasserfällen. Ein deutscher, recht gammliger Aussteiger schnorrt freundlich eine Zigarette. Als Dankeschön erzählt er mir seine Lebensgeschichte. Von was er denn lebe, will ich wissen. „Von Luft und Liebe“ antwortet er grinsend. Der Mann kann sich kaum von mir trennen, trotzdem muss ich ihm klarmachen, dass ich mit einem Bus voller Bungalow-Bewohner unterwegs bin und deswegen weiter muss. Wie schade das doch wäre, erklärt er mir mit einem Blick, als würde er demnächst das Heulen anfangen. Hatte mich wohl als seinen Zigaretten-Automat auserkoren. 

Unweit von Paia befindet sich der Hookipa Beach Park, der seit den frühen 30er Jahren als Ausgangspunkt des modernen Wellenreitens gilt.

Das scharfkantige Korallenriff verläuft in Hookipa nahe am Ufer und liegt nur etwa 1 Meter unter der Wasseroberfläche. Also nichts für Anfänger, sondern für Profis wie Robby Naish, die bei Wettbewerben wie dem „Aloha Classics“ gegen Gleichgesinnte kämpfen. Ein weiterer weltbekannter Surfspot ist Jaws zwischen Milemarker 13 und 14 des Hana Highways. Die Wellen können im Winter eine Höhe von über 20 Metern erreichen, weswegen diese Entwicklung des Surfens „Tow-in-Surfing“ genannt wird: Der Surfer kann die Welle aufgrund von Geschwindigkeit und Größe nicht mehr selbst anpaddeln und wird mit einem Jetski auf die Welle gezogen.

road to hana stop

Die Road to Hana ist zweifelsohne die bekannteste und schönste Autostrecke auf Hawaii. Man fühlt sich, als würde man den Garten Eden durchfahren: Eine langsame, sich windende Straße durch üppige Kulisse, umgeben von Wasserfällen, Pools und dschungelartiger Szenerie.

Der Grund diese Route zu fahren, ist die Fahrt selbst.

Es ist eine Fahrt durch eine tropische Fantasie, die hier zur Realität wird. Wenn man diese Strecke fährt, sollte man sich Zeit lassen, eine Übernachtung ist empfehlenswert. Oder wie ein hawaiianisches Sprichwort sagt: „As you drive, don´t feel the need to hurry up to get „there“, because you may find that there is no there there.“ Auf unserem weiteren Weg auf der Road to Hana halten wir immer wieder an grandiosen Ausichtspunkten wie dem Waianapanapa BeachPark. Die Farben des schwarzen Strandes, die grünen Palmen und das Blau des Ozeans sind atemberaubend.

Waianapanapa BeachPark

In Hana gönnen wir uns einen leckeren Fish-Taco bei Braddah Hutts und schauen einem kleinen hawaiianischen Kind beim Baden im Cooler zu. Auf diesem paradiesischen Fleckchen Erde haben sich eine Menge Promis wie Arnold Schwarzenegger, Oprah Winfrey oder Sean Connery niedergelassen. Die wissen schon warum. Der versteckte Red Sand Beach ist der Knaller schlechthin. Wahrscheinlich liege ich hier neben einem vollbärtigen James Bond und erkenne ihn nicht. Der Farbenmix aus blau, schwarz und rot mit natürlichen Wellenbrechern in der Bucht raubt mir den Atem. Hier könnte ich länger bleiben, aber wir müssen weiter zu den Seven Sacred Pools. Dort startet mit dem etwa 4 Meilen langen Pipiwai Trail einer der schönsten Wanderwege auf Maui. Vorbei an einem rießigen Banyan-Tree erreicht man nach kurzer Zeit einen dichten sagenhaften Bambuswald. Der Trail endet an den Waimoku Falls, wo sich frisches Bergwasser 120 Meter über eine Lavawand ergießt.

maui hawaiian
Red Sand Beach maui

In der Dunkelheit machen wir uns auf den Heimweg. Die komplette Road to Hana zurück. Wir werden in der kurvenreichen, engen Straße ordentlich durchgeschüttelt und ein Bus muss wegen Übelkeit einer Teilnehmerin anhalten. Im Bungalow angekommen, bietet sich mir das gleiche Bild wie gestern. Party und Schnapstrinken aus einem Surfboard bis zum Abwinken. Und das nach einer 13-Stunden-Tour. Grölende Leute, soweit das Auge reicht. Ich beschließe, dass Backpacken definitiv nichts für mich ist. Ich will abends meine Ruhe. Bin wohl zu alt für so was.

Hana wollen wir nochmal in Ruhe genießen, so entscheiden Nadine, Oli und ich kurzerhand, ein zweites Mal den anstrengenden Weg auf uns zu nehmen. Wir wollen eine Nacht im Paradies verbringen, abseits von Ghetto und Tourismus. Unseren ersten Stop haben wir wie letzte Woche schon an der Brücke am Fluss. Diesmal traue ich mich und springe aus 4 Metern Höhe in den engen Ching´s Pond unter mir. Das Wasser ist so herrlich blau und erfrischend, dass mein Kopfweh danach verschwunden ist. Auch ein Bad unter den Waikani Falls einige Kurven weiter ist noch drin. Und ein kleiner Spaziergang zu faszinierenden Regenbogen-Eukalyptus-Bäumen.

Unsere Unterkunft, „Hale Hana Bay“, wird vermutlich die traumhafteste Location der ganzen Tour bleiben. Sie liegt direkt am Meer mit Blick auf die palmenumsäumte schwarze Hana Bay. Unsere Veranda ist von Kokospalmen umgeben und ich werde morgen mit Blick aufs Meer aufwachen. Das ganze Haus für 40 $ pro Nase. Dagegen ist eine Nacht im Ghetto für 28 $ eine bodenlose Frechheit. Wir sind dankbar, dem Ghetto für eine Nacht zu entfliehen und völlig erledigt von diesem wunderbaren Fleckchen Erde. Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. Ein paar Ferienhäuser, eine Tankstelle und ein kleiner Supermarkt.

Regenbogen Eukalyptus Baeume
Hale Hana Bay Rental

West Maui Mountains

Wir umfahren die West Maui Mountains und kommen in einem kleinen ursprünglichen hawaiianischen Ort Namens Kahakuloa vorbei. Plötzlich springt hinter einer Palme ein Hawaiianer hervor, tanzt vor unserem Auto und hält uns frische Ananas und Bananenchips entgegen. „Always eat fresh! Stay fresh!“ singt er am laufenden Band. Ich kann nicht anders und kaufe ihm ein Tütchen Bananenchips ab. Die schmecken tatsächlich fresh. Über diesen ulkigen Typ lachen wir noch den ganzen Tag. 10 Meter weiter halten wir an einem gemütlichen grünen Stand und holen uns frisches, warmes Banana Bread. Ist das wirklich ganz frisch aus dem Ofen oder hat die freundliche Verkäuferin es in die Sonne gelegt? Als wir dann wieder am Bananen-Mann vorbeikommen, springt er erneut vors Auto. Ich wedel nur schnell mit meinen Chips und er lässt uns gewähren. Danach zum zweiten Mal an die Honolua Bay zum Schnorcheln. Diesmal keine Turtle, aber dafür riesige bunte Fischschwärme. Ich checke in Patey´s Place in Lahaina ein und werde diesmal freundlich empfangen. Endlich ein eigenes Zimmer, ein Wohnzimmer, eine Terrasse. Und das alles in meiner Lieblingsstadt. Abends zum Sonnenuntergang an den Strand und durch die Front Street gebummelt. Bin froh, dass ich heute früh ins Bett komme. Muss morgen schon wieder um halb 7 raus…

Ich steige am nächsten Morgen versehentlich aufs falsche Boot und komme gerade noch rechtzeitig runter, um die richtige Schnorchel- und Delfin-Tour wahrzunehmen. Bei einem leckeren Frühstück fahren wir eine Stunde nach Lanai, der kleinsten bewohnten Insel, wo außer einem Luxushotel und ein paar einsamen Stränden nicht viel zu sehen ist. Das ist also die Insel, auf der Bill Gates geheiratet hat. Gerüchten zufolge mietete er damals die ganze Insel und ließ auch den Linienverkehr einstellen, um so nervigen Paparazzi zu entgehen. Ein Journalist hat es wohl trotzdem geschafft, das Eiland zu betreten. Gates erwischte ihn, und schlug ihm einen Deal vor. Seine Kamera gegen eine gewisse Entschädigung. Wie hoch der Betrag war, weiß man nicht genau. Klar ist wohl, dass der Fotograf nie wieder arbeiten muss. Ich springe ins tiefblaue Wasser der Sharks Bay und schwimme ins bunte Korallenriff. Bin etwas enttäuscht, weil ich keine Turtles und keine großen Fischschwärme sehe. Doch dann kommt der Retter des Ausflugs. Einige Meter vor mir schwimmt ein 2 Meter großer White Reef Shark. Die Panik bleibt aus, weil der Hai offensichtlich mehr Angst vor mir hat als ich vor ihm. Ich schieße trotzdem noch schnell ein Beweisfoto, auf dem außer blauem Dunst wohl nicht viel zu erkennen sein wird. Dann zum Mittagessen Burger auf dem Schiff, bevor wir zum Dolphin Watching weiterfahren.

Abends statte ich der Bubba Gump Shrimp Co. einen Besuch ab und fühle mich für 5 Minuten wie Forrest Gump. Nach dem großen Erfolg des Hollywood-Streifens im Jahre 1994 etablierte der amerikanische Medienkonzern Viacom 2 Jahre später 37 Restaurants  der kultigen Marke in der ganzen Welt. In der Front Street befindet sich vor dem Restaurant eine Bank mit Koffer und betonierten Turnschuhen, in die Touristen ihre verschwitzten Füße stecken, um ein Erinnerungsfoto zu schießen. Noch schnell ein Bubba Gump-T-Shirt als Erinnerung gekauft und zum Sonnenuntergang unter die Kokospalme. Erst sieht´s schlecht aus, doch dann färben sich die Wolken langsam von zartem Gelb in zartes Rosa und am Schluss in feuriges Rot und Violett. Was für Farben zum Abschluss in Maui.

bubba gump maui

Auf dem Rückflug nach Deutschland habe ich Glück! Ich fliege erste Klasse. Also hat ein Standby-Ticket doch Vorteile…


Fotos (c) Florian Krauss

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