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PuuOo – The hike of my lifetime – die 4. und 5. Hawaii-Reise

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BIG ISLAND

2 Wochen nach der Hochzeit bin ich 2013 erneut auf den Inseln. Diesmal habe ich Yvonne mit im Gepäck, meine Frau. Ich buche die Flüge von Oahu nach Big Island sehr kurzfristig, um eine reale Chance auf aktive Lava zu haben. 5 Tage vor unserer Ankunft werden die Lavaströme am Meer inaktiv. Ich bin beleidigt. Nur am aktiven PuuOo-Krater fliesst Lava. Vor Jahren hatte ich einen Film eines französischen Vulkanforschers gesehen, der mit Studenten den „Rainforest to PuuOo-Hike“ gegangen ist. Durch fantastischen Regenwald. Im Internet findet man leider wenig, dafür aber im „Ultimate Guidebook of Big Island“. Dort steht eine ausführliche Beschreibung über den Hike, über den sich die Geister scheiden. Darf man ihn nun laufen oder nicht? Mir ist etwas mulmig. Von Angesicht zu Angesicht mit dem aktivsten Krater der Welt. Und ob meine Frau da mitzieht? Tut sie!

Der ein oder andere Tourist ist dort mangels Orientierung schon verloren gegangen und musste mit dem Hubschrauber gerettet werden. Wir haben also kleine Mülltüten mitgenommen, um sie an Bäumen zu befestigen, damit wir auf dem Rückweg noch wissen, wo wir hergekommen sind. Wir stellen aber fest, dass alles schon markiert ist und der Weg ist die reinste Freude. Etwas matschig, aber gut zu gehen durch ursprünglichen Regenwald.  

Ein schmaler Pfad führt durch üppiges Grün, wie man es nur selten sieht. Und eine Stille, die seinesgleichen sucht, die nur durch melodiöses Vogelgezwitscher gestört wird. Allmählich wird der Regenwald etwas lichter und die Hubschrauber-Geräusche der Touristen-Flüge nehmen zu. Bald müsste der im Reiseführer erwähnte “Big Crack” vor uns liegen. Eine Spalte, die durch ein Erdbeben verursacht wurde. Der “Big Crack” erweist sich als ziemlich harmlos, man hat ihn doch mit einem großen Schritt überwunden. Ich kann es kaum fassen, dass ich direkt vor dem aktivsten Krater der Welt stehe und die Spannung steigt, in wenigen Augenblicken eventuell flüssige Lava sehen zu können. Links auf dem Krater entdecke ich einen sogenannten Spatter Cone, einen Schweißschlackenkegel, der die unterirdische Lava-Röhre füttert. Ich bin fest entschlossen und lasse Yvonne mit schlechtem Gewissen zurück. Ich verspreche ihr, in 20 Minuten zurück zu sein, brauche aber länger als vermutet. Auf einem Lavafeld mit verbrannten und umgefallenen Bäumen kommt man nicht voran. Die lauten Hubschrauber über mir weisen mir den Weg. Es kann nicht mehr weit sein.

Ein Fest für die Sinne. Es riecht verbrannt, es knistert, die Hitze, die von unten her strömt, wird wärmer und wärmer, je weiter ich mich dem Rauch des brennenden Gestrüpps nähere. Das ganze Gebiet lässt sich nicht scharf fotografieren, da ein Hitzeflimmern in der Luft liegt. Ich bin außer Sichtweite von Yvonne, was wird sie sich jetzt Sorgen um mich machen. Ich überlege umzudrehen, muss aber schwer gegen meine Faszination ankämpfen, das zerstörte Gebiet weiter zu erkunden. Da höre ich einige 100 Meter hinter mir ein wohlbekanntes Pfeifen. Meine Frau ist mir gefolgt und winkt mir grinsend zu. Wie schön. Ich wage mich weiter vor und erklimme einen kleinen Lavahügel. Über mir kreisen die Hubschrauber mit Touristen. Dummerweise kann man in der Mittagssonne flüssige Lava nicht erkennen. Sie schimmert mehr silber als rot. Auch kann man bei Tageslicht nicht sehen, wie alt diese silbrige Lava ist. Bis Lava vollständig erkaltet ist, kann es mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Ich verlasse mich also auf meinen sechsten Sinn. Wie sich in den nächsten Minuten herausstellt, auch das einzig Richtige in dieser Situation. Die Hitze nimmt zu, um mich herum knistert es und kurz darauf entdecke ich 5 Meter vor mir einen kleinen Pahoehoe-Strom. Das dünnflüssige Magma, das Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h aufnehmen kann, wird zur zähflüssigen, langsam fließenden Lava. Allerdings ist dieser Strom doch noch so schnell, dass mir etwas mulmig wird. Yvonne´s Bitten, jetzt doch umzukehren wegen des zunehmenden Schwefels, der in der Luft liegt, ignoriere ich noch einen Augenblick, schieße ein paar Fotos und drehe ein kurzes Filmchen. Ich bin allerdings so aufgeregt, dass ich die schwere Spiegelreflex kaum ruhig halten kann. Was, wenn um mich herum weitere Lava auftaucht, mit der ich nicht rechne? Die mir womöglich den Rückweg versperren könnte? Mir wird´s im wahrsten Sinne des Wortes zu heiß und ich folge Yvonne´s Bitten. Bin total glücklich, erneut Lava gefunden zu haben und so lassen wir uns im Schatten des Regenwaldes nieder und verspeisen unser wohlverdientes Lunchpaket. Mit Blick auf den aktivsten Krater der Welt. Ich kann mich kaum trennen von diesem Anblick aus roten Kraterwänden, silbriger und schwarzer Lava, verdörrten Bäumen und der bedrohlich wirkenden Rauchsäule.

Wir haben 2,5 Stunden Rückweg vor uns. Inzwischen wäre mir ein Hubschrauber auch lieber. Auf der Hälfte des Weges treffen wir einen jungen Abenteurer aus Neuseeland. Es gibt also durchaus den ein oder anderen, der dieses Spektakel auch erleben will. Wir kommen ins Quatschen über die Faszination der Vulkane und er erzählt uns von seinen verrückten Aktionen der letzten Tage. “Ey, you want to do a REAL crazy thing, man?” fragt er mich. Dann erzählt er vom Halemaumau-Krater, an dessen zerstörten Lookout er gestern gewandert ist, um einen Blick in den Kratersee zu werfen. Dieser Blick muss so umwerfend sein, dass er dort, trotz der aufsteigenden Hitze, über eine Stunde verbracht hat. Mehr noch: Er klettert sogar die Kraterwand hinunter, um direkt am Abgrund des Kratersees zu stehen. “You are crazy” antworte ich. “The Trail to the Overlook is closed”. “As closed as your Trail to the PuuOo” antwortet er lachend. Wie recht er hat. Ich habe Blut geleckt. Ob uns da ein weiteres Lava-Abenteuer bevorsteht? Der Neuseeländer will über Nacht am PuuOo bleiben. Das hört sich nach großem Abenteuer an. Sieht die Lava in der Dämmerung und nachts doch am spektakulärsten aus. Und man findet sie einfacher. Ganz wohl wäre mir bei dieser Sache trotzdem nicht. Ich gebe ihm noch einige Tipps, sich dem Krater nicht zu arg zu nähern, geschweige denn, ihn zu besteigen. Vermutlich wird er diese Tipps ignoriert haben… Zu schade, dass wir keine Kontaktdaten ausgetauscht haben, ich hätte zu gerne erfahren, was er dort erlebt hat.

Am nächsten Tag wollen wir das neuseeländische Abenteuer wagen und fahren direkt zurück in den Nationalpark, um die Chain of Craters-Road entlang bis zur Absperrung zu laufen. Hier ist man viel näher dran als vom Outlook am Jagger Museum. Die große Rauchsäule mit den giftigen Gasen wirkt bedrohlich. Der Wind steht wie immer richtig und treibt den Rauch gen Süden. Trotzdem fühlt man sich hier nicht wirklich sicher. Wir steigen über die Absperrung und wandern über alte Spalteneruptionen Richtung Krater. Es wird dunkel, die alte Lava unter unseren Füßen bricht. Nicht wirklich komfortabel, was wir hier machen. Nach ein paar Fotos brechen wir unsere kleine Expedition ab. Wir haben Sorge, dass wir den Rückweg nicht finden und im schwarzen Lavafeld verloren gehen. Am nächsten Tag muss ich feststellen, dass wir uns nicht gut genug informiert hatten. Die Karte zeigt die Chain of Craters-Road, die direkt zum Lavasee des Halemaumau führt. Das ich wohl ein weiteres Mal nach Big Island reisen muss, um einen Blick in den 200 Meter großen Lavasee werfen zu können, wird mir in diesem Augenblick bewusst. 😉

Noch am selben Abend fahren wir ziemlich erledigt nach Kalapana. Wir übernachten wieder im Oliana Guest House und wollen mit den Jungs von Kalapana Cultural Tours eine Lavawanderung unternehmen. Das Kalapana Village Cafe hat heute leider geschlossen, wir finden aber trotzdem einen der Guides, um uns über den Status der Lavaflüsse zu informieren. Prince, der in Kalapana geboren wurde, erzählt uns bereitwillig von seinen Erfahrungen. So war er hautnah als Jugendlicher mit dabei, als Pele Anfang der 90er Jahre sein Dorf verschüttete. In Kalapana wohnten damals 2000 Menschen, inzwischen sind es noch 300. Zu Schaden gekommen ist niemand, die Häuser des Fischerdorfs sind allerdings alle bis zu 10 Meter unter Lava begraben. Er zeigt uns sein Haus und einige Lavareste, die nur wenige Meter vor seinem Garten halt machten. Prince erzählt dermaßen ausführlich und emotional, dass wir beide Tränen in den Augen haben…

Lava in Royal Gardens

Am nächsten Tag haben wir eine Lavatour mit „Kalapana Cultural Tours“ in Royal Gardens gebucht, Yvonne stellt jedoch den Wecker eine Stunde zu spät und wir verpassen unsere Tour. Mein kleines Chaos-Weib. Sie hat ein furchtbar schlechtes Gewissen und wir buchen die Mittagstour. Den ganzen Nachmittag bei praller Sonne über die Lavafelder zu stiefeln, macht mir etwas Kopfzerbrechen. Mein Vulkan-Fanatismus kennt da allerdings kaum Grenzen. Ich bin bereit, so gut wie jede Anstrengung in Kauf zu nehmen.

Wie kaufen 5 Liter Wasser und ein paar Müsliriegel für die Energie. Mir erscheint das reichlich, will man doch auch nicht zu schwer tragen. Ich habe schließlich noch meine ganze Spiegelreflex-Ausrüstung mit dabei. Gespannt und etwas mulmig zumute warten wir auf unsere Guides und ihre Einweisungen. Prince´ erster Satz “Begin stretching” lässt unsere Aufregung noch steigen. Das scheint ein anstrengendes Unterfangen zu werden. Neben uns sitzt eine Schweizerin im recht fortgeschrittenen Alter seelenruhig am Tisch und nippt an ihrer Wasserflasche. Sie ist die einzige, die keine Dehnübungen macht. Ob sie wirklich weiß, worauf sie sich einlässt? “This hike is much more different than all other hikes” erzählt Prince weiter und erklärt, dass uns 2,5 Stunden Aufstieg über die Lavafelder bevorsteht. Dabei werden wir etwa 500 Höhenmeter überwinden und dabei die Royal Gardens Subdivision durchqueren. Ein ursprüngliches Regenwald-Gebiet, dass aber in den letzten Jahren immer wieder der Lava zum Opfer gefallen ist. Mehr als ein paar grüne Stellen sind dort nicht mehr zu sehen. Der weitere Guide ist Selma, eine studierte Biologin, die nach ihrer Arbeit als Ranger im Nationalpark nun bei Kalapana Cultural Tours eingestiegen ist. Ursprünglich wollte sie nur 6 Monate auf Hawaii verbringen, inzwischen sind es 6 Jahre. Faszinierende Berufslaufbahn.

Die insgesamt 8 Meilen sind an sich keine allzu lange Strecke, allerdings nennen die Bewohner diese Meilen nicht zu Unrecht Lavameilen. Konzentriertes Gehen ist hier unabdingbar und so werden 8 Meilen recht mühsam, wenn man jeden seiner Schritte verfolgen muss. Fallen will man hier nicht, ist die alte Lava doch an vielen Stellen scharfkantig wie Glas. Die Schweizerin steht teilnahmslos dabei. Wie sich herausstellt, spricht sie kein Wort Englisch. Verstehen tut sie´s auch nicht. Unverständnis macht sich breit. Yvonne nimmt sich ihrer an und übersetzt das Wesentliche. Bereits nach einer halben Stunde in der Mittagshitze haben wir ein Fünftel unseres Wasserbestands aufgebraucht und ich versuche, nur noch sehr wenig zu trinken, schließlich haben wir den größten Teil unserer Tour noch vor uns. Schnell machen sich Ermüdungserscheinungen und Kopfweh breit. Die Guides bekommen das mit und beruhigen mich. Ich solle so viel trinken, wie ich brauche, sie hätten genug Wasser dabei, um hier mehrere Tage zu überleben. Das beruhigt uns ungemein und ich lasse Massen von Wasser meine Kehle hinunterlaufen. Neue Energie stellt sich sofort ein und so wandern wir gutgelaunt Richtung Royal Gardens Subdivision.

Endlich befinde ich mich im unzugänglichen Gebiet, dass ich bisher nur von meinen täglichen Besuchen auf der Blog-Website der Guides kannte. Unser Ziel, eine Rauchsäule der unterirdischen Lavaröhre, lässt sich am Horizont erkennen. Eigentlich sieht es gar nicht mehr so weit aus. Aus 2,5 Stunden sind inzwischen 3 geworden, wir nähern uns langsam aber sicher dem aktiven Gebiet. Von einem weiteren Guide, der mit einer anderen Gruppe schon länger unterwegs ist, erfahren wir per Walkie-Talkie, dass wir einen Umweg gehen müssen, da es zu gefährlich ist, die Lavatube zu überqueren. So steigen wir weiter und weiter den Berg hinauf, bis wir endlich nach 3,5 anstrengenden Stunden unser Ziel erreicht haben. Man fühlt sich wie auf einem anderen Planeten, ein paar wenige von der Lava verschonte Bäume stehen in der sonst völlig zerstörten ehemaligen Wohngegend.

Jack Thompson, ein etwa 60-jähriger Hippie, lebte hier. Der letzte Bewohner, der dort völlig einsam lebte. Keine Straßen führten zu seinem Haus. So machte er aus dieser Not eine Tugend. Er baute sein Haus zum Bed & Breakfast um und bezahlte mit dem verdienten Geld seiner Übernachtungsgäste die Hubschrauber, die ihm die zum Leben notwendigen Dinge brachten. Warum habe ich das nur früher nie mitbekommen? Der Hippie saß mit seinen Touristen in seiner grünen Oase mitten im Nirgendwo und schaute sich über Monate und Jahre die Lavaströme an. Eine wahnsinnige Geschichte, die darin gipfelt, als 2012 die Lavaströme direkt auf sein Haus zusteuerten. Pahoehoe Lava fließt sehr langsam und so war genug Zeit, alles Wichtige für den Ernstfall zusammenzupacken. Die Hubschrauber flogen einige Male, um Thompson und sein Hab und Gut zu retten. Doch er wollte nicht. Er wehrte sich mit Händen und Füßen. Der Hubschrauber-Besatzung blieb schließlich nichts anderes übrig, als den Hippie zu fesseln und ihn gewaltsam in den Heli zu verfrachten, um ihn in der Hauptstadt Hilo abzusetzen. Von Hilo aus trampte Thompson direkt zurück nach Kalapana und lief alleine bei Nacht 3 Stunden übers Lavafeld zu seinem Haus zurück. Er musste und wollte dabei sein, als sein Zuhause den Lavaströmen zum Opfer fiel. Das schien ein besonders spirituelles Erlebnis gewesen zu sein.

Wir sind etwas enttäuscht, als wir nur kleine Lavaströme sehen. Doch nach und nach bricht die Lava immer mehr aus der Erdoberfläche aus und ergießt ihr Magma langsam und knisternd über alte erkaltete Ströme. Als hätte Pele auf uns gewartet. Die Gruppe ist begeistert. Es ist wahnsinnig heiß und durchaus eine Herausforderung, hier in Ruhe zu fotografieren. Trotzdem gelingen mir ein paar tolle Nahaufnahmen. Ans Zurücklaufen denkt hier jetzt noch niemand. Wir können uns von diesen fantastischen Anblicken gar nicht lösen. Inzwischen ist es fast dunkel und Prince lotst uns zu einem weiteren Ausbruch. Dort, wo wir auf unserem Hinweg vorbeigegangen sind, hat sich nun eine Luke geöffnet, aus der Aa-Lava, eine zähflüssige und etwas kühlere Art der Brockenlava herausfließt. Beide Lava-Arten an einem Tag. Was bin ich für ein Glückspilz. Dieses rot und orange leuchtende Schauspiel bei Nacht ist unbeschreiblich. Und schon ist eine ganze Stunde an der aktiven Lava vergangen und wir machen uns auf den Heimweg.

3 Stunden bei Nacht und einsetzendem Regen über die Felder. Kein Spaß. Das muss auch die Schweizerin erfahren. Sie denkt allen Ernstes, dass wir hier mit dem Hubschrauber abgeholt werden. Trotzdem ziehen alle vor ihr den Hut. Sie läuft den nicht endenden Heimweg ohne ein einziges Maulen. Das kommt schon eher von mir. Alle 20 Minuten schaue ich auf die Uhr, jede Minute zieht sich. Die Füße sind müde und schmerzen, die Konzentration lässt nach. Nach der Hälfte des Rückwegs machen wir Pause in strömendem Regen.

Wir können es nicht erwarten, endlich anzukommen und nachts gegen 23.00 Uhr nähern wir uns dem Parkplatz. Das Village Cafe hat leider schon geschlossen. Gerne hätte ich hier wieder den Abend bei einem Bierchen ausklingen lassen. Wir begnügen uns mit eisgekühlten Erfrischungsgetränken und unsere Guides Prince und Selma entlassen uns mit den Worten “You are real animals”. Ich muss endlich aus meinen Schuhen raus. Total erschöpft fallen wir nach diesem 10-Stunden-Trip ins Bett. Wieder mit Froschkonzert. Die Frösche auf Big Island haben sich inzwischen zu einer echten Plage entwickelt, zumal es auf Hawaii keine natürlichen Feinde wie Schlangen oder Füchse gibt.

Kealakekua Bay – The dolphin´s bay

Erst bei meinem fünften Hawaii-Besuch schaffe ich es endlich, der legendären Kealakekua Bay einen Besuch abzustatten. Dazu umfahren wir den Süden, halten an der sagenhaften Punaluu Bay, einem pechschwarzen Sandstrand mit wogenden Kokospalmen und unzähligen Green Sea Turtles. Am South Point, dem südlichsten Punkt der USA, stürze ich mich bereits 2007 mit Martin von den 10 Meter hohen Klippen. Trotz der rostigen Leiter, die nicht sonderlich vertrauenserweckend aussieht und wieder nach oben führt. Ganz in der Nähe befindet sich auch der Ka Lae Green Sand Beach, ein aus Olivinkristallen gebildeter einsamer Strand, der nur mit einem Jeep oder zu Fuß durch hügelige Landschaft zu erreichen ist. Weiter Richtung Osten erreicht man den Puuhonua o Honaunau National Historical Park, der auch “Place of Refugee” genannt wird. Die steinige Bucht soll einer der schönsten Schnorchelplätze auf den Inseln sein. Ist sie tatsächlich. Yvonne ist wegen der bunten Fische so verzaubert, dass sie nicht merkt, wie gefährlich nahe sie an die scharfkantigen Korallen geschwemmt wird. Ich will sie noch warnen, merke aber recht schnell, dass mir das mit Schnorchel unter Wasser nicht gelingen wird. Und schon ist´s passiert. Das Blut am Unterschenkel fließt in Strömen. Ohne dass wir groß suchen müssen, haben wir in Sekunden lokale Hilfe von Einheimischen, die mit Tipps und Tricks die Wunde desinfizieren und die Blutung stoppen. Meine tapfere Frau freut sich regelrecht über ihr lebenslanges Souvenir.

Für unsere Flitterwochen gebe ich mir bei der Organisation besonders viel Mühe und erkundige mich im “Ultimate GuideBook” über die Kealakekua Bay, die wir noch am selben Abend ansteuern. Es bedarf hier einiger logistischer Überlegungen, da die große Bucht, und ganz besonders “Cpt. Cook Monument” nur mit dem Kajak erreichbar sind. Eine weiße Statue erinnert an den großen britischen Seefahrer, der im Februar 1778 in der Bucht sein Leben ließ. Ausgerechnet zum Zeitpunkt eines hawaiianischen Erntedank-Festes zu Ehren des Gottes “Lono” schipperte Cook in die Bucht. Mag sein, dass die Hawaiianer damals noch etwas naiv waren, aber sie hielten Cook für ihren Fruchtbarkeitsgott Lono. Und er hatte sogar ein Schiff. Diese Verehrung blieb Cook natürlich nicht verborgen und dementsprechend göttlich führte er sich auf. Das gefiel den Hawaiianern aber gar nicht und es kam immer mehr zum Streit, bei dem einige Bewohner ihr Leben ließen. Das gefiel den übrigen Hawaiianern noch viel weniger und sie erdrosselten Cook in der Bucht, der stöhnend am Strand zusammenbrach. Ob mit einer Ananas, einer Kokosnuss oder mit anderen Dingen, ist nicht überliefert. Spätestens jetzt wussten sie Hawaiianer auch, dass es sich nicht um Lono handeln konnte. Aus einem einfachen Grund: Götter stöhnen nicht! Und eigentlich sterben sie auch nicht.

Wir haben 2 Übernachtungen direkt an der Bay und buchen uns ein Kajak beim Familienbetrieb „Ehu and Kai“. Die Mutter sitzt gemütlich im Gartenstuhl und strickt, 2 kleine Söhne sitzen am Ufer und angeln. 4 weitere junge Mädchen albern auf dem Balkon des Hauses.

Ein dicker träger Vater mit seinem aufgeweckten durchtrainierten Sohn fühlt sich nach anfänglichen misstrauischen Blicken für uns zuständig und ist dann auch sehr freundlich und zuvorkommend. Sie erklären uns, wie wir zur Kealakekua Bay paddeln und worauf wir beim Ein- und Aussteigen im Kajak achten müssen. Da Cpt. Cook Monument britisches Eigentum ist, darf man dort nicht anlegen. Dazu steht den ganzen Tag ein Security am Ufer des Schnorchel-Paradieses und achtet akribisch darauf, dass niemand das heilige Land betritt. Man muss daher zum Schnorcheln das Kajak im Wasser verlassen und auch aus dem Wasser wieder ins Kajak klettern. Klingt kompliziert. Ist es aber nicht. Während des Schnorchelgangs bindet man sich das Kajak an den Fuß und erforscht so die Unterwasserwelt. Auf Yvonne´s Frage, ob es in der Bay Haie gäbe, antwortet der Sohn trocken mit “Yeah, plenty. But no worry. It´s the dolphins bay. Sharks respect that.” Wir haben neben unserer Unterwasser-Kamera einen mit Eiswürfeln gefüllten Cooler dabei. Prall gefüllt mit Sandwiches, Snacks, leckerem Vitamin-Water und Starbucks Double-Shot Espresso. Nach 40 Minuten Paddeln auf offenem Meer erreichen wir die Bay. Schon von Weitem hören wir andere Touristen jubeln.

Kleine Spinner Dolphins springen aus dem Wasser und drehen mehrfache Schrauben in der Luft. Wir tun es den anderen gleich, verlassen unser Kajak und treiben regungslos im Pazifik. Da das Wasser hier sehr tief ist, sehen wir vorerst nichts als blau. Wenn man so gar nichts sieht, verliert man leicht die Orientierung und Unbehagen stellt sich ein. Doch bevor wir darüber großartig nachdenken können, sehen wir sie plötzlich. Unter uns. Neben uns. Um uns herum. Ganze Scharen von Delfinen. Glücksgefühle durchströmen uns. Wie in einem unwirklichen Film. Doch wir selbst sind mittendrin. Yvonne kann sogar ihre Ortungssignale hören. Ich möchte meiner Frau meine Begeisterung zurufen, mehr als ein glucksendes Geräusch aus dem Schnorchel ist aber nicht drin. Delfine sind extrem elegante Schwimmer, bewegen sich graziös und voller Würde um uns herum, tauchen ganz dicht und unerwartet unter uns durch. Mit meiner Kamera bin ich meistens nicht schnell genug. Manchmal kommen sie uns so nah, dass wir ihnen direkt in ihr freundlich lächelndes Gesicht sehen können. Sie widmen uns einen so sanftmütigen und schüchternen Blick, das wir völlig überwältigt dahinschmelzen. Es scheint fast so, als fühlten sie sich auf eine außergewöhnliche Weise zu uns hingezogen. Wir sind wohl doch bessere Spielkameraden als die gefürchteten Haie. Die Wirkung der süßen Geschöpfe auf uns ist fast heilsam. Nach einer Stunde im Wasser fühlen wir uns selbst wie Meeresbewohner und bekommen auch langsam Schwimmhäute.

Wir besteigen schweren Herzens unser Gefährt, um zum nahegelegenen Cpt. Cook Monument zu paddeln. Dort angekommen genießen wir Picknick im Kajak, unternehmen mehrere Schnorchelgänge im glasklaren Wasser, um bunten Fischschwärmen Guten Tag zu sagen, erforschen Korallen und können nur schwer glauben, was für einen tollen Tag wir haben.

Nach 6 Stunden auf und im Wasser fröstelt es uns und wir machen uns todmüde aber unglaublich zufrieden auf den Rückweg nach Volcano Village.

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KAUAI

Südseezauber im Norden

Der Norden von Kauai gehört zu meinen absoluten Highlights der Inselkette. Südseezauber wie aus dem Bilderbuch. Princeville ist ein luxuriöser Urlaubsort der Reichen und Schönen, wunderbar gelegen in üppiger und grüner Natur mit Blick auf die Na Molokama-Berge. Wir ergattern eine traumhafte Unterkunft mit riesigem Garten, 2 Schlafzimmern, 2 Bädern und einer automatischen Eiswürfelmaschine im Kühlschrank. Wir fühlen uns in unserem Domizil so wohl und heimisch, dass wir in der großen Küche sogar deutschen Nudelauflauf kochen. 😉

Ein echter Geheimtipp ist das etwas versteckte Queensbath. Über einen schönen Pfad erreicht man nach etwa 20 Minuten eine schwarze Felsküste. Direkt am Meer hat sich dort aus altem Lavagestein ein natürlicher Pool gebildet. Das Wasser darin schimmert olivgrün und ist so klar, dass man unter Wasser beim Schnorcheln den Pool in seiner Gesamtlänge überblicken kann. Durch den Wellengang werden über den Rand immer wieder neue bunte Fische hinein geschwemmt. Dieses außergewöhnliche Bad macht seinem Name alle Ehre. Im Winter allerdings sind hier die Wellen so hoch und unberechenbar, dass der Pool gar nicht zu erkennen ist. Einige Touristen ließen hier wegen der gefährlichen Brandung schon ihr Leben. Auf der Suche nach schönen Familienfotos wurden sie von den Wellen über die Klippen gerissen und vom Ozean verschluckt. Dabei lautet die wichtigste Hawaii-Regel: Stelle dich nie mit dem Rücken zum Pazifik.

Wir halten an einer Haltebucht an der Straße, um das wenige Kilometer entfernte Hanalei mit seiner sichelförmigen Bay zu fotografieren, da sehen wir aus den Augenwinkeln, dass ein Mann am Steuer unseres Mietwagens sitzt. Kurz bevor er losfahren kann, machen wir ihn darauf aufmerksam, dass er im falschen Auto Platz genommen hat. Direkt dahinter wartet sein Auto samt Familie, 3 Kindern und Hund auf ihn. Hat ihn die Schönheit Kauai´s so ergriffen, dass er dabei seine Familie übersieht? Mit einem peinlichen Lachen entschuldigt er sich und sucht schnell das Weite. 2 Stunden später entdecken wir in unserem Kofferraum einen fremden Rucksack, der wohl dem verdutzten Fahrer gehört haben muss. Neben einer Regenracke, etwas Bargeld und Foto-Equipment, welches ich für meine Spiegel-Reflex leider nicht gebrauchen kann, findet sich auch ein Zettel mit einer Hotel-Adresse in Princeville. Wie sich herausstellt, ist die Familie dort leider nicht zu Gast. Wir wissen uns trotzdem nicht anders zu helfen als den Rucksack dort abzugeben. Ob er nach seiner Auto-Verwechslung so schlau gewesen ist, dort nachzufragen, bleibt im Verborgenen.

Auf der Weiterfahrt nach Hanalei hat man von der Straße aus einen wunderbaren Blick ins grüne Hanalai Valley mit seinen Taro-Feldern. Auf diesem smaragdfarbenen, landschaftlichen Flickenteppich wächst die herzförmige, grüne Pflanze und wird verwendet, um Poi herzustellen, ein hawaiianisches Grundnahrungsmittel. Schmeckt allerdings nach nichts.

Westlich von Princeville liegt an Kauai´s North Shore das friedliche Städtchen Hanalei Town. Diese zeitlos schöne Kleinstadt hat von historischen Plätzen bis hin zu zeitgenössischen Kunstgalerien alles zu bieten. Dazu tolles Licht, grüne Berge, Südseezauber, Traumstrände. „Blue Hawaii“, „6 Tage, 7 Nächte“ mit Harrison Ford und „Fluch der Karibik“ wurden hier gedreht. Aus aktuellem Anlass fotografieren wir das Haus am Strand aus George Clooney´s “The Descendants”.

Unsere Unterkunft ist das Kalalau Bed & Breakfast, 5 Meilen von Hanalei entfernt. Dicht umgeben von üppigen grünen Dschungel-Gewächsen, 2 Minuten vom Haena-Beach entfernt und mit unglaublich lieben und freundlichen Gastgebern. Sandy und „Chief“ Marc empfangen uns so, als hätten sie jahrelang auf uns gewartet. Leider haben sie verkauft und die Unterkunft steht meines Wissens nicht mehr zur Verfügung. Die Lebensphilosophie ist “real hawaiian”. Unser Schlafzimmer besteht aus einer kleinen Holzhütte, dem „Jungalow“, direkt daneben finden wir eine liebevoll eingerichtete Küche und dahinter eine Dusche im Freien, umzäunt von Bambusmatten und tropischen Palmen. Selbstgemachte Verzierungen an Haus und Garten sowie kleine Keramik-Schilder wie “Please remove your shoes” zieren die Eingangstüren. Die Krönung im Garten ist der Whirlpool, der alle paar Sekunden die Farbe wechselt. Selbstverständlich mit Blick auf einen unglaublichen Sternenhimmel. Dazu eisgekühltes Budweiser und lustige Gespräche über Hawaii mit Marc und seiner Freundin Christine, die in Ulm Wirtschaftsmathe studiert hat. Wir sind also in bester Gesellschaft. Wir können unseren „Lottogewinn“ kaum fassen, als uns auch noch 2 süße Kätzchen besuchen und es sich auf unseren Schößen bequem machen. Gegenüber wohnt Pierce Brosnan in einem luxuriösen Anwesen direkt am Strand. Interessiert hier aber keinen. Der wird schon wissen, warum er hierher gezogen ist.

Auch Jahre später empfängt uns Marc auf einen Kaffee und lädt uns zu herrlichem “Soul food” am Kee Beach ein. Auf meine Frage, warum er denn so freundlich und zuvorkommend sei, obwohl wir dieses Jahr nicht mal bei ihm gastieren, antwortet er mit einem breiten Grinsen “Well… That´s my job”. Seitdem kommen pünktlich zu unseren Geburtstagen Glückwünsche über Facebook.


Fotos (c) Florian Krauss

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