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Eddie would go. Auf den Spuren von Hawaii´s Surflegende Eddie Aikau

North Shore. Die Sehnsucht aller Surfer. All derer, die goldene Strände lieben. Geburtsort von Jack Johnson. Austragungsort vieler Surf-Wettkämpfe wie dem “Vans Triple Crown of Surfing” oder dem “Eddie”.

Der Aloha-Spirit macht sich hier am meisten bemerkbar.

Auch wenn meine Laune nicht auf dem Höhepunkt ist, die North Shore kriegt mich jedes Mal. Wie der Name schon sagt, liegt die North Shore im Norden von Oahu. Nirgends ist die Dichte an Surf-Spots größer. Neun Meilen sind es auf Kamehameha Highway von Haleiwa bis Sunset Beach, dem östlichen Zipfel der North Shore. Neun Meilen lang das immer gleiche Bild: auf der einen Seite die sanft abfallenden, grünen Flanken der Koolau Range, auf der anderen Seite Strand, blütenweiß, palmengesäumt, wellenumtost. Jeder dieser Spots hat seine eigene Charakteristik. Unmöglich für einen Surfer, hier nicht das Richtige zu finden. Haleiwa, “the worlds famous surf capital of the world” ist mit seinen 2.500 Bewohnern ein winziges Hippie-Dorf unweit der Traumstrände, wo im Winter bis zu 20 Meter hohe Wellen brechen. Am Haleiwa Market Place trifft sich die Surf-Elite, um im Cholos mexikanische Nachos oder Tacos zu genießen und im “Coffeine” einen Mocca freeze zu schlürfen. Nebenbei bemerkt der beste Eiskaffee, den man auf der Insel bekommen kann. Schon an den Öffnungszeiten der Surf-Shops merkt man, dass die Uhr hier anders tickt. Bei “high surf” bleiben sie oft auch ganz geschlossen. Ich verfalle meiner Schwäche für Hawaii-Souvenirs und kaufe mir aus lauter Überzeugung ein „Eddie Aikau“-T-Shirt von Quicksilver.

Eddie Aikau – The Legend!

Eddie Aikau war in den frühen 70er Jahren ein berühmter Rettungsschwimmer und Big Wave-Surfer an der legendären Waimea Bay. Er wurde am 4. Mai 1946 auf Maui geboren und siedelte als Kind mit seiner Familie 1959 nach Oahu über, weil dort die Arbeitsbedingungen für seinen Vater besser waren. Als 22-jähriger Rettungsschwimmer rettete er 500 Menschen das Leben. Er war der erste, der sich an die 30 Feet-Wellen herantraute. Egal wie sehr der Ozean tobte, Eddie ging immer raus.

1978 führte die Polynesian Voyaging Society zum wiederholten Mal eine Forschungsreise auf einer alten polynesischen Wanderungsroute zwischen den Inseln von Hawaii und Tahiti durch. Für die dreißigtägige, 2500 Meilen (4000 km) lange Fahrt suchte die Gesellschaft Freiwillige und Aikau heuerte als Crew-Mitglied an. Das Forschungsschiff Hōkūlea verließ die Inseln von Hawaii am 16. März 1978. Das Doppelrumpf-Kanu schlug Leck in einem der Rümpfe und kenterte etwa zwölf Meilen südlich der Insel Molokai. Aikau versuchte Hilfe zu holen und paddelte mit seinem Surfbrett Richtung Lānai. Er ward nie wieder gesehen. Die folgende Suche war die größte Luft-Suche der hawaiianischen Geschichte.

Der Eddie Aikau-Contest

Nach seinem Tod auf dem Ozean 1978 organisierte sein Bruder Clyde den “Quicksilver in Memory of Eddie Aikau-Contest” bei dem die Weltelite um Kelly Slater der Legende huldigt. Allerdings findet dieser Contest nur statt, wenn die Wellen mindestens 30 Fuß erreichen. Rechtzeitig zur Eddie-Saison von Anfang Dezember bis Ende Februar schmücken “Eddie would go”-Aufkleber die Autos der Einheimischen und eigene Quicksilver-Kollektionen die durchtrainierten braungebrannten Oberkörper. Meinen auch. Allerdings gehört der eher zur Kategorie der bleichen untrainierten.

“Eddie went”-Souvenirs gibt es hingegen nur, wenn der Contest auch stattgefunden hat.

Seit der Erstaustragung am Sunset Beach 1985 hat 1987 Eddie Aikaus jüngerer Bruder Clyde Aikau einmal den Wettbewerb gewonnen, als der “Eddie” das erste Mal in Waimea Bay ausgetragen wurde. Im Februar 2016 erreichten die Wellen 30 bis 50 ft (15 m). Zum Wettbewerb werden nur 28 big-wave-Surfer zu zwei Wettkampfrunden eingeladen.

Der Slogan entstand während des ersten “Eddie Contest”. Die Wellen waren hoch und die Bedingungen extrem gefährlich. Während die Organisatoren diskutierten, ob der Wettbewerb stattfinden könne, kommentierte der Surfer Mark Foo „Eddie would go“. Die Phrase blieb und der „Eddie“ lief.

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Wenn “Der Eddie” ruft

Im Sommer zeigt sich der Ozean rund um Hawaii von seiner ruhigen Seite. Wie schon vermutet sind die Wellen „like a pancake“, wie mir ein Surfshop-Besitzer erzählt. Ich lenke meinen Mietwagen in die Parkbucht der Waimea Bay und gönne mir, weil immer alles ausgebucht ist, den Behindertenparkplatz. Der Sprung vom 8 Meter hohen Lavafelsen ins grünblaue Wasser ist ein Vergnügen. Langsam bekomme ich ein schlechtes Gewissen wegen meines Autos, weil in Amerika gerne abgeschleppt wird. Das Auto steht noch. Dafür klebt an der Windschutzscheibe ein Strafzettel. Ich rechne mit 50 $ und traue meinen Augen nicht, als ich den Zettel über 260 $ aus dem Scheibenwischer ziehe. Die Wiese hätte mich 35 $ gekostet. Man lernt nie aus.

Auf meiner ersten Reise mit Yvonne wählen wir den Jahreswechsel 2011/2012 als Reisezeit. Über die Internetseite surfnewsnetwork.com erfahre ich täglich die Surf-Konditionen.

Für unseren Abreisetag nach Big Island sind 20 bis 30 Fuß-Wellen vorhergesagt. Ich entschließe mich kurzerhand, den Flug gegen eine saftige Gebühr umzubuchen und wir machen uns früh morgens auf die 1-stündige Fahrt von Kailua zur North Shore. Der obligatorische Strafzettel oberhalb der legendären Waimea Bay kümmert mich an diesem Tag wenig. Es ist diesig und die Surfelite schaukelt längst weit draußen in den Wellen. Leider reichen die Konditionen nicht ganz aus, um den “Eddie” stattfinden zu lassen, in den frühen Morgenstunden ist er abgesagt worden. Trotzdem sehen wir die größten Wellen der Saison. Das “Face” der Welle, die aufgerichtete Vorderseite, misst heute etwa 10 Meter.

Der Kamehameha Highway ist schon um 8.30 Uhr gesäumt von Autos und Trucks; Profifotografen mit riesigen Objektiven und Schaulustige tummeln sich auf der Straße. Mit meinem 300mm-Zoom komme ich hier nicht weit. Trotzdem gelingen mir ein paar ordentliche Aufnahmen. Jet-Skis sind im Wasser unterwegs, die die gestürzten Surfer nach ihren “Wipe-outs” aus dem Wasser fischen, ja sogar ein Hubschrauber kreist über der Bucht, um Fotos für Surf-Magazine zu schießen oder um Filmmaterial und Trailer für Firmen wie Quicksilver zu drehen. Für die Big Wave Surfer ist Waimea Bay bedingungslose Hingabe. Sie leben für den einen perfekten Ritt, sitzen unzählige Stunden auf ihren Brettern, studieren die Dünungen, die Strömungen und Tücken des Pazifiks. Sie stehen mit den Wellen auf und gehen mit ihnen ins Bett.

Dieses Mal fand der Contest nicht statt und dennoch für mich ein unvergessliches Erlebnis, mit vielen Fotos die ich mit euch teilen möchte!

Bildergalerie


Fotos (c) Florian Krauss

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