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Pele-Hawaii_Big-Island
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Pele – Feuergöttin von Hawaii

Pele ist auf Hawaii allgegenwärtig. Sie spielt nicht nur in der hawaiianischen Mythologie eine große Rolle, sondern auch heute noch. Liebevoll wird sie von den Hawaiianern respektvoll als “Madame Pele” oder “Tūtū Pele” bezeichnet. Als Göttin der Vulkane gilt sie sowohl als Schöpferin von neuem Land und gleichzeitig als Zerstörerin.

Tipp: Möchtet ihr noch mehr über Hawaii´s Myten & Gottheiten erfahren, lest im Anschluss auch den Hauptartikel zu Hawaii.

Der Legende nach hatte Pele viele Probleme mit ihrer Familie. Ganz besonders mit ihrer Schwester Namaka (ausführlich Na-maka-o-Kahaʻi), die die Göttin des Meeres ist. Pele kann sehr aufbrausend sein und legte sich immer wieder mit Namaka an. Ihr Vater schickte sie daher von Tahiti fort. Ihr Bruder Kamohoali´i, König der Haie, schenkte ihr dazu ein Kanu und so landete sie auf Hawaii, wo sie auf allen Inseln mit ihrem magischen Stab pāoa Vulkane schuf. Ihre Schwester folgte ihr und bekämpfte sie mit den ihr zur Verfügung stehenden Wasserfluten und Wellen. Sie wohnten im Haleakala-Krater auf Maui, der weltweit als der größte Vulkankrater gilt. Pele verlor den Kampf und Namaka wähnte sie für tot, allerdings war Pele nur geflüchtet und ließ sich im Halemaumau Krater des Kilauea-Vulkans auf Big Island nieder, in dem sie heute noch wohnt.

Bei ihrer Rückkehr nach Tahiti sah Namaka die Rauchsäule von Big Island und wusste somit, dass ihre Schwester noch am Leben ist. Doch den ständigen Kampf gab sie auf.

Pele streitet nun mit Poli´ahu, der Göttin des Schnees, die auf dem benachbarten Mauna Kea (dem höchsten Berg der Welt) beheimatet ist. Außerdem wird Pele eine Affäre mit Kamapua´a nachgesagt, einem Fruchtbarkeitsgott, der mit dem Gott der Landwirtschaft, Lono, verwandt sein soll. 1779 erreichte der britische Seefahrer James Cook Big Island und wurde von den Hawaiianern verwechselt. Da er ausgerechnet am Erntedankfest in die Kealakekua Bay schipperte, war den Hawaiianern klar, das müsse Lono sein. Die Verwechslung flog wegen des arroganten Auftretens Cooks auf und es kam zu Mord und Todschlag. So schließt sich der Kreis…

Seit den frühen 80er-Jahren ist Pele nun ununterbrochen auf Big Island aktiv. Im Mai 1990 rollte ein Lavastrom auf eine kleine Siedlung namens Kalapana an der Flanke des Vulkans Kilauea zu. Dramatische Bilder und Videos zeigten damals in Not geratene Menschen, die gegen die Höllenglut ihre Gartenschläuche einsetzten.

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Manchmal werden auch Gin-Flaschen am Rande des Kraters abgelegt, um Pele zu besänftigen. Die Bewohner lernen allerdings mit Pele zu leben. Ein Hawaiianer aus Kalapana erzählte mir folgendes: „Weißt du, wir sind hier zu Gast auf Pele´s Land. Wir bauen hier unsere Häuser und lassen uns hier nieder. Wohl wissend, dass ihre Lavaströme alles wieder zerstören könnten. Das ist natürlich dann traurig. Aber wir haben hier viel „ohana“ (Familie), die einem helfen, wenn man in Not gerät. Dann bauen wir woanders eben ein neues Haus.“

Rund um den Kilauea, wo Pele bis heute ihr Unwesen treibt, findet man immer wieder vulkanische Phänomene, die nach ihr benannt sind. Wie Pele´s Haar: feinste Lava-Partikel werden aus platzenden Gasblasen in die Luft geschleudert, vom Wind langgezogen und fallen dann als „vulkanisches Glas“ zu Boden. Es hat eine goldene Farbe und sieht aus wie Haar, ist allerdings recht rau und scharfkantig, wie Glas eben. Wenn die Sonne richtig steht, findet man am Halemaumau Krater oft ganze Haar-Büschel, die in der Sonne glänzen. Ein unbeschreiblicher Anblick:

faeden vulkanisches glas pele

Es gibt das Gerücht, dass jeder vom Pech verfolgt wird, der Pele´s Haar oder Lavasteine als Andenken mit nach Hause nimmt. Man liest dort schauerliche Geschichten über schlimme Krankheiten, je länger das Eigentum von Pele am falschen Platz liegt.

Das Vulkan-Observatorium hat tatsächlich eine Rücksende-Stätte für „verschleppte“ Lavasteine aus der ganzen Welt eingerichtet. Täglich treffen dort Sendungen verzweifelter Touristen ein, die wöchentlich von den Nationalpark-Rangern an den Krater zurück gelegt werden. Auch ich habe mich von einem in Deutschland lebenden Hawaiianer tatsächlich überreden lassen, meine „Andenken“ in Form von einigen Vulkansteinen und einem Büschel von Pele´s Haar zurückzuschicken. Er war der Überzeugung, dass es mir dann psychisch und körperlich besser geht. Die Steine schickte ich an meinen guten Ulmer Freund, der seit 15 Jahren auf Oahu lebt. Mit seinen Kindern besuchte er eine heilige Stätte und legte die Steine dorthin, begleitet von hawaiianischen Vergebungs-Gesängen seiner Kinder.

Ein rührender Moment für mich, der mich kurzfristig erleichterte. Langfristig, und ohne den Glauben an den „Placebo“-Effekt, aber vermutlich totaler Quatsch. Zumindest in meinem Fall. Oder liegt es daran, dass ich noch kleine Mengen der verschieden-farbigen Sand-Arten in einem Mosaik an der Wand hängen habe?

Pele gilt nicht nur als Göttin der Zerstörung, sondern auch als Schöpferin, da sie Big Island immer weiter wachsen lässt. Bei jedem meiner Hawaii-Besuche sieht die Insel anders aus. Plötzlich fließt die Lava wieder ins Meer und erschafft neue Küstenlinien, begräbt dabei aber auch schöne, schwarze Sandstrände, wie in den 90er-Jahren in Kalapana. Diese neuen „Lava-Deltas“ sind nicht immer stabil und können auch wieder ins Meer absacken. Der Legende nach ist dann wieder Pele´s Schwester Namaka zu Gast um sich ihr Territorium zurückzuerobern.

Oder es bilden sich Spalteneruptionen in den Städtchen Pahoa oder in den Leilani Estates 2018. Eine der größten Eruptionen der letzten 100 Jahre, der hunderte Häuser zum Opfer fielen. Pele ist aber nicht daran gelegen, Menschen direkt zu schaden, so gibt es auch selten Verletzte oder Tote. Sie nimmt sich nur einfach wieder, was ihr zusteht. Ansonsten ruht sie im Lavasee des Halemaumau, den man vom Jaggar Museum aus beobachten kann.

Ein 🤙 erhielt Jessi, Freundin Susi und Tommy 2018 von Feuergöttin Pele höchstpersönlich!

vulkanausbruch hawaii pele
vulkanausbruch hawaii pele shaka

Man kann an Mythen glauben oder nicht, aber im Jahre 2009 ist mir doch eine sehr unheimliche Geschichte passiert: Als ich mich das erste Mal mit Freunden nachts auf den Weg machte um flüssige Lava an den „Ocean Entries“ zu erkunden, gesellte sich ein kleiner, weißer Hund zu uns, der auf den Lavafeldern herumstreunte. Nach einigen Minuten war er aus den Lichtkegeln unserer Taschenlampen verschwunden.

Im Morgengrauen haben wir schließlich die Küste erreicht und erleben das erste Mal, wie Lava ins Meer fließt. Ein unvergessliches Erlebnis. Sogar Würstchen haben wir in kleinen Lavaspalten gegrillt, die oft Wochen oder Monate brauchen um zu erkalten.

Auf dem Rückweg kaufte ich mir ein Sagenbuch über Pele und lese im Auto den folgenden Abschnitt: „…wenn Pele schläft, ist sie eine alte Frau. Doch wenn sie aus ihrem Schlaf erwacht, nimmt sie die Gestalt einer feurigen, heißen Frau mit langer Mähne an. Ihre Lava-Ströme schickt sie dann Richtung Meer. Begleitet wird sie dabei von einem kleinen, weißen Hund…“

Funfact: Auch Tommy wurde 2018 in einem Ferienhaus auf Big Island unterhalb von Captain Cook gleich zu Beginn von einem weißen Hund besucht. Er blieb eine ganze Weile, sonnte sich auf der Terasse und verschwand dann wieder.

weisser hund pele hawaii

War es nun ein streunender weißer Hund aus der Nachbarschaft (suchende Rufe blieben jedoch aus), oder war es doch Pele, die Tommy´s Familie & Freundin Susi zum Besuch auf Ihrer Insel begrüßen wollte?

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Fotos (c) Florian Krauss & Tommy

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